Art. Nr. Autor Datum
242 Hayrî Demir 07.02.2016

Als Zîyaret werden im êzîdîschen Kontext vor allem Wallfahrts- und Pilgerorte bezeichnet, die im Rahmen religiöser Zeremonien und Feste von Êzîden aufgesucht werden. Die Pilger werden daher auch als Zîyaretî oder Zîyaretiya bezeichnet. Versammeln sich die Pilger an einem Wallfahrtsort, etwa am zentralen Heiligtum Lalisch im Nordirak, spricht man von „zîyaretî bûn“ (dt. [Pilger die] sich versammeln). Die Zîyarets stellen neben ihrer herausragenden religiösen Bedeutung auch Orte der Zusammenkunft dar, an denen sich zahlreiche Êzîden aus verschiedensten Regionen zusammenfinden.

Zîyaret des êzîdîschen Heiligen Scheich Mend (ÊzîdîPress)

Zîyaret des êzîdîschen Heiligen Scheich Mend (ÊzîdîPress)

Zu den êzîdîschen Zîyaret gehören insbesondere dutzende Mausoleen heiliger Persönlichkeiten sowie den Erzengeln gewidmete Tempel. Zu den wichtigsten Zîyaret zählt neben dem êzîdîschen Zentralheiligum Lalisch die Pilgerstätte Scherfedîn in der Region Schingal.

Auch einzelne Teile einer Tempelanlage oder eines Mausoleums werden als Zîyaret bezeichnet. Im Innern des Heiligtum Lalisch etwa werden zum Fest der Versammlung fünf Zîyaret mit bunten Tüchern, sog. Perîs, geschmückt. Die Pilger öffnen und machen ihrerseits selbst kleine Knoten in die Tücher und wünschen sich währenddessen etwas.

Der Begriff Zîyaret wird in den heiligen Texten der êzîdîschen Religion (Qewls) mehrfach genannt.