Schöpfungsmythos

 

Art. Nummer Autor Datum Aktualisierung
191 Hayrî Demir 15.04.2013 23.01.2014

„Als der Herr sich in der Perle befand
sich ein Wunsch von Ihm entband
und so der Zweig der Liebe entstand“

Der êzîdîsche Schöpfungsmythos wird in mehreren sakralen Texten und Überlieferungen dargestellt. Er ist daher nur durch eine Gesamtbetrachtung der entsprechenden Texte und Überlieferungen zu erschließen. Grob kann der Schöpfungsmythos in drei Stadien unterteilt werden:

  1. Der Zustand vor dem „Urknall“, also vor dem Zerbersten der Urperle (kurd. Dur) – Kosmogonie I
  2. Die Entwicklungen unmittelbar nach dem Urknall – Kosmogonie II
  3. Die Schöpfung der Erde und des Menschen - Anthropogonie

Der êzîdîsche Schöpfungsmythos ist einer der interessantesten Aspekte und gehört zu den elementarsten Eigenschaften der êzîdîschen Religion. Er ist unverkennbar indogermanischen Ursprungs und hängt mit den Schöpfungsvorstellungen der alten Völker des Vorderen Orients zusammen, weist auf den gemeinsamen Ursprung dieser Völker hin und ist eindeutig vorzoroastrisch.

Die Parallelen der Schöpfungsmythen sind insofern nachvollziehbar, wenn man die Tatsache hinzuzieht, dass Kurden und somit auch die Êzîden zur Urbevölkerung Mesopotamiens gehören. Sie besiedeln die von ihnen bis heute bewohnten Gebiete ununterbrochen seit mind. 12.000 Jahren (siehe Hennerbichler 2010).

Wie erwähnt wird der êzîdîsche Schöpfungsmythos in mehreren Überlieferungen sehr klar dargestellt sowie vereinzelt in vielen Strophen weiterer Dûas, Beyts, Jandils und Qewls aufgegriffen. Insbesondere die Betrachtung der folgenden Überlieferungen zeichnet ein genaues Bild des êzîdîschen Schöpfungsmythos:

-          Qewlê zebûnî meksûr; dt. die Hymne über das zerbrechlich und schwache Eine

-          Qewlê afirandina dinyayê; dt. die Hymne über die Schöpfung der Erde

-          Qewlê Şêxûbekir; dt. die Hymne des Sheikhubekirs

-          Qewlê Bê Elîf; dt. die Hymne über den Anfang

-          Qewlê Îmanê; dt. die Hymne der Überzeugung

-          Dûa Bawerîyê; dt. das Gebet des Glaubens u.v.a.

Hier sind vor allem die Arbeiten von Dr. Pîr Xanna Omerxalî („Some reflections on concepts of time in Yezidism“) und Dr. Xelîl Cindî und Prof. Kreyenbroek („God and Sheikh Adi are perfect“) zu nennen.

Das Stadium Enzel

Der êzîdîsche Schöpfungsmythos setzt mit dem Stadium namens „Enzel“, dt. Ensel, ein. Der Begriff „Enzel“ wird sowohl als Dativ:

Qewlê Tawisî Melek, Z.8
Ya Rebî ji Enzel de her tuyî qedîmî - Oh Schöpfer aus dem „Enzel, Du bist unendlich

als auch als Adjektiv verwendet:

Dûa Razanê, S.12, Z.1
Ezdayî me, ji direke enzelî me – Anhänger Gottes bin ich, von einer „enzelî“ Perle stamme ich

Der Begriff Enzel kann daher als eine „reine, spirituelle, immaterielle und unendliche Welt“ bzw. als „Jenseits“ bezeichnet werden. Dem Begriff Enzel scheint aber mehr anzuhaften, als dem gängigeren Begriff „Axret“ (dt. kurd. für Jenseits), welcher ebenfalls oft in den Qewls gebraucht wird. Das Stadium Enzel beschreibt einen raum- und zeitlosen Zustand und verdeutlicht somit vor allem einen übersinnlichen Status. Frau Dr. Pîr Omerxala beschreibt Enzel unter anderem als „[…]sphere beyond the profane world.“1 („Sphäre hinter der profanen bzw. materiellen Welt“).

Im Enzel existierte zunächst nur Gott (kurd. Xweda, Ezda, Padşe). Gott bildet in der êzîdîschen Lehre das absolute und vollkommene Eine, ein Gegenpart existiert nicht. In seinem Wesen konzentriert sich die gesamte Allmacht. Aus dieser Allmacht heraus hat Er sich selbst erschaffen, weshalb er als Xweda, dt. „Der, der sich selbst erschaffen hat“, bezeichnet wird. Der Xweda nach êzîdîscher Vorstellung entspricht der dem Philosophen Platon zugeschriebenen Idee des „Einen“ bzw. „Das Eine“. Xweda ist das höchste Prinzip, dass in sich selbst statisch und wie der Raum Enzel transzendent ist. Deshalb wird für Gott hier und im Folgenden der Begriff Xweda verwendet. Im indoiranischen bzw. indoarischen Sprachraum, genauer bei den Kurden, den Persern, den Afghanen und zum Teil der Inder wird der Begriff Xweda gebraucht und ist somit ein Hinweis auf eine ehemals gemeinsame oder zumindest ähnliche Religion.

Xweda ist nach êzîdîscher Lehre das Prinzip, dass die Entwicklung des Seins selbst in Gang gesetzt hat und ist somit ein Schöpfer-Gott. Der êzîdîsche Glaube ist demnach monotheistisch und enthält keinerlei Darstellungen eines Widerparts, da dies aufgrund des Allmachtverständnisses und der Einzigartigkeit Xwedas nach êzîdîscher Lehre unmöglich ist.

Der Beginn

Im Stadium Enzel erschuf Xweda aus sich selbst bzw. aus seinem Licht heraus eine weiße Perle (kurd. Dur), in welcher sich Sein leuchtender Thron (kurd. Textê nûrî) befand.

Qewlê Bê Elif, S. 6, R. 1
Padșê min bi xo efirandî dura beyzaye – Mein König erschuf aus sich die weiße Perle

Qewlê Șêxûbekir, S. 4, R. 1
Padşê min dur ji xwe çêkir – Mein König erschuf die Perle aus sich

Qewlê Bê Elif, S. 1, R. 2
Textê nûrî sedef – Der leuchtende Thron in der Perle

Das Êzîdentum kennt eine eigene Farbenlehre, die sich durch die gesamte Mythologie hindurchzieht und sich bei Kleidungsvorschriften, Zeremonien, Bräuchen, Ritualen etc. zeigt. Farben gelten als die Symbolisierungen der Natur und des Beginn des Lebens, weshalb sie auch im Schöpfungsmythos wiederzufinden sind. Vor allem die Farben Weiß, Rot, Grün und Gelb werden oft genannt. Weiß gilt als Farbe der Reinheit und des Friedens und ist die traditionelle Kleidungsfarbe der Êzîden, die insbesondere bei Zeremonien eine wichtige Rolle spielt.

Die Vorstellung das Leben bzw. das Sein sei aus einer Perle o.Ä. hervorgegangen, finden wir in den unterschiedlichsten Kulturen der Welt wieder. So auch im arischen Schöpfungsmythos, der in der Rigveda zu finden ist:

Von Dunkel war die ganze Welt bedeckt,
Ein Ozean ohne Licht, in Nacht verloren
Da ward, was in der Schale war versteckt
Das Eine durch der Glutpein Kraft geboren.5

Insgesamt ist sowohl der Schöpfungsmythos der Êzîden als auch der Arier, welche als Urheber der zitierten Zeilen aus der Rigveda gelten, wohl auf dieselbe Quelle zurückzuführen.

Das Motiv des Throns, kurd. erș û kursî, kommt sehr häufig in den verschiedensten Qewls vor:

Qewlê Tawisî Melek, R. 14
Ya Rebî tu melekê érş û kursî – Oh Herr Engel des Thron und Sitzes

Dûa Êvarê, S. 2, R. 1
Hûn bidene xatira erş û kursî – Im Andenken an den Thron und den Sitz

Es wird zur Darstellung und Konkretisierung einer mit hoher Autorität verbundenen Gestalt gebraucht, deren besondere Stellung hervorgehoben werden soll. Dies kann sowohl Xweda, ein Erzengel als auch eine heilige Persönlichkeit sein.

Die Ur-Perle – Dur

Weiter heißt es im Schöpfungsmythos: alleine weilte Xweda in der Perle, außer der weder Erde, Universum noch sonstige Fundamente existierten.

Dûa Bawerîyê, S. 1, R. 1, 2, 3
Pedşa li nav durê li xewlê bû – Alleine war der König in der Perle
Ne ´erd hebû ne ´ezman bû – Es gab weder die Erde noch den Himmel
Ne çiya ne sikan bû – Weder Berge noch Fundamente

An die Urperle wird jedes Jahr zum Neujahrsfest der Êzîden, dem sog. „Çarșema sor“ (dt. Roter Mittwoch) in Form von gefärbten Eiern als Stilisierung der Urperle erinnert. Der Tag des Neujahrsfest, stets der 1. April nach êzîdîschem Kalender, ist zugleich Frühlingsbeginn. Die Farben der von neuem aufblühenden Natur stellen dabei den Neuanfang des Lebens dar.

Mit der Perle war Xweda Eins, sodass Er von ihr nicht zu unterscheiden war.

Qewlê Bê Elif, S. 2, R. 1
Padșê min li navdayî mixfî bû – Mein Herr war verborgen in ihr [der Perle}

Er kannte nur sich selbst und betete sich selbst an.

Qewlê Bê Elif, S. 3, R. 1
Ew bi xo dipariste – Er betete sich selbst an

Die Liebe, das Urprinzip und spätere Fundament des Seins, war mit Ihm Eins und sein Ebenbild. Er selbst war das Licht (kurd. Nûr).

Qewlê çake me bi serde, S. 10, R. 1, 2
Muhbet ji berî loh û qelem bû – Die Liebe war vor den heiligen Tafeln und Stiften
Bi Padşê xora herdem bû – Allzeit war sie mit dem König eins

Qewlê Bê Elif, S. 3, R. 2, 3
Mihbet her yek û heste – Die Liebe war mit Ihm eins und sich selbst bewusst

Qewlê Bê Elif, S. 4, R. 1
Padșa bi xo nûr bû, nûr hate bale – Der König selbst war das Licht, das Licht kam zu Ihm

Das Motiv der Liebe spielt eine wesentliche Rolle. Die Liebe wird unter anderem synonym für Loyalität gebraucht und wird durch das Wesen des Tawisî Meleks personifiziert. Licht ist den Êzîden heilig. Fast täglich werden im Heiligtum Lalish Lichter, sog. Cira-Feuer, entzündet sowie zu gewissen Feiertagen, wie z.B. dem Batizmî-Fest.

Als Er in der Perle weilte, gab Er sich 1001 ehrenvolle Namen. Es heißt, dass Einer dieser Namen der „Glaube“ (kurd. Dîn/Bawerî) ist, welcher wiederum 99 Farben (Formen) hat12.

Qewlê hezar û yek nave, S. 1, R. 1
Padșê minî hezar û yek nave – Mein Herr hat eintausend und einen Namen

Dûa Bawerîyê, S. 3, R. 1, 2
Xwedê bawerî çêkir – Der sich selbst geschaffene [Gott] erschuf den Glauben
Not û neh reng pêr virêkir – Neunundneunzig Farben gab er ihr

Aus dieser Vorstellung heraus leitet sich der êzîdîsche Leitspruch „Jede Religion ist ein Teil der Wahrheit“ ab. Bereits hier zeigt sich, dass das Êzîdentum keinen universellen Anspruch erhebt und keine Alleingültigkeit für sich beansprucht. Weiterhin schöpfte Er die „Einheit“ (kurd. Tifaq), welcher ebenfalls einer der 1001 Namen Xwedas ist.

Dûa Tifaqê, S. 1, R. 1, 2
Pedşayî tifaq çêkir – Der Herr erschuf die Einheit
Navê xoyê şêrîn lêkir – Seinen liebevollen Namen gab er ihr

Der Glaube bzw. der Begriff der Religion ist im Êzîdentum personifiziert und heißt Şerfedîn, dt. Sherrfedin.

Qewlê Qendîl, S. 24, R. 3
Me dîn Şerfedîn atqat siltan Êzîd e – Unsere Religion ist Sherfedîn unser Glaube Siltan Êzîd

Es existierte eine heilige Persönlichkeit mit dem Namen Şerfedîn, der der Sohn von Şêx Hesen war und im 13. Jahrhundert lebte. Şêx Şerfedîn hat seinerzeit die êzîdîsche Gemeinschaft gegen den Statthalter von Mosul, Badre Din Lulu, verteidigt. Seine Botschaft, die er den Êzîden überbringen ließ, ist bis heute weitbekannt und wird zu besonderen Anlässen rezitiert bzw. gesungen. Sein Name wurde zum Synonym für den Verteidigungskampf der Êzîden.

Einheit gilt als eines der wichtigsten Eigenschaften einer Glaubensgemeinschaft, weshalb es in den heiligen Überlieferungen heißt, dass Xweda in Form der Einheit (kurd. Tifaq) den Menschen Glück, Freude und Gesundheit15 schenkt.

z.B. Qewlê Xwedanan, S. 17, R. 3
Ew bi tifaq li me didê xweşî ye – Er [Gott] gibt uns durch Einheit Gesundheit bzw. Freude bzw. Glück

Unerlässlich für ein erfülltes Leben ist somit das Leben in einer Gemeinschaft und der damit verbundene Kollektivismus, wobei der Einzelne sich der Mehrheit nicht blind unterzuordnen hat (Prinzip Tawisî Melek). Das so entstehende System von gefordertem Kollektivismus und gebotenem Individualismus erlaubt es den Êzîden, die Gesellschaft als Notwendigkeit zu schützen und die Individualität jedes Mitgliedes zu fördern. Eine Diskriminierung der Frau, welche bis heute in weiten Teilen praktiziert wird, ist daher auch aus diesem Grund mit der êzîdîschen Lehre unvereinbar.

Xweda, der bisher in der Perle verborgen war und mit Ihr eine Einheit bildete, löste sich vom Inneren der Perle und bewegte sich in ihr umher.

Dûa Bawerîyê, S. 3, R. 3
Bi wê bawiriyê xo ji nava durê cihêkir – Mit dem Glauben trennte Er [Gott] von der Perle

S. 4, R. 1
Pedşa li durê geriya – Mein König fuhr in der Perle umher

Da füllte Wasser das Innere der Perle und ein sanfter, ruhiger Ozean entstand.

Dûa Bawerîyê, S. 4, R 2, 3
Av jê weriya – Wasser floss aus ihr
Bu behr pengiya – Und wurde zu einem ruhigen Meer

Wasser bzw. die Darstellung von Ozeanen, Meeren etc. symbolisieren in der êzîdîschen Lehre die tiefe, unendliche Weisheit und wird im Kurdischen wie in den heiligen Überlieferungen als „Behrê kûr“ (dt. tiefes Meer) bezeichnet. Auch die Darstellung bzw. die Vorstellung von einem vorzeitlichen Meer zu Schöpfungsbeginn finden wir in vielen Mythen der alten Völker wieder.

Qewlê Padșayî, S. 31
Padşê min nûr e – Mein König ist das Licht
Ew ji me neyî dûr e – Er ist nicht weit von uns
Yî alime bi erd û ezman û behrêt kûr e – Er ist der Gelehrte auf der Erde, dem Himmel und im tiefen Meer

Die Liebe als Ur-Fundament

Danach erschuf Xweda die Liebe aus sich selbst und die Perle, die Er bereits zuvor von sich loslöste, begann an Stabilität zu verlieren.

Qewlê zebûnî meksûr, S. 6
Pedşê min ji durê bû – Als der Herr sich in er Perle befand
Hisnatek jê çêt bû – Sich ein Wunsch von Ihm entband
Şaxa mehebetê lê bû – Und so der Zweig der Liebe entstand

Insbesondere für den Beginn der nächsten Stufe des Schöpfungsmythos nimmt das Motiv der Liebe, in den Qewls als Muhbet bezeichnet, eine wichtige Rolle ein.

Qewlê afirandina dinyayê, S. 10, R. 1, 4
(1) Êzdanê me bi rehmanî – Mein barmherziger Schöpfer
(4) Em avêtin nav sira muhbetê – Uns war er in das Geheimnis der Liebe

In Verbindung mit dem Prinzip Tawisî Meleks kann die Liebe als erstes Fundament des Seins verstanden werden, dass sowohl Loyalität, Verstand und Liebe vereint. Loyalität alleine führt zu Unterwürfigkeit, Verstand alleine macht unbarmherzig, Liebe alleine macht uneinsichtig. Nur das Zusammenwirken dieser drei Prinzipien trägt zu einer ausgeglichenen Entscheidungsfindung bei, was durch das Wesen Tawisî Meleks und seiner Anbetung Xwedas deutlich wird. Das Böse im Menschen, so im Qewlê Axretê, dt. Hymne über das Jenseits, entsteht durch ein Ungleichgewicht dieser Prinzipien. Die êzîdîschen Asketen, die sog. Feqîre, entsagen sich der materiellen Welt, um das Zusammenspiel der genannten Prinzipien zu erlernen, weshalb sie in der êzîdîschen Gemeinschaft mit viel Anerkennung begegnet werden. Liebe, Loyalität und Verstand begründen zugleich die wesentlichen Gesichtspunkte einer Beziehung, auch in menschlicher Hinsicht. In Xwedas Wesen waren diese drei wesentlichen Prinzipien vereint, sodass auch die Perle von dieser Ausgeglichenheit profitierte. Erst als Xweda die Perle von sich trennte, weil er den Beginn der materiellen Welt in Gang setzen wollte, wurde die Perle schwach.

Die gebrechlich gewordene Perle färbte sich mit den Farben Weiß, Rot und Gelb als Zeichen des Lebens. Sie begann zu glänzen (strahlen), zerberstete in Abermillionen Teile und wurde endgültig von Xweda getrennt.

Qewlê zebûnî meksûr, S. 9, 10, 11 (R. 1, 2)

Kire rikin û rikinî – Das Fundament [Liebe] wurde gelegt und etabliert
Dur ji heyibetê hinçinî – Aus Ehrfrucht explodierte die Perle
Taqet nema hilgirî – Sie verlor die Kraft geduldig zu sein

Taqet nema li ber bisebirî – Sie hatte keine Kraft mehr geduldig zu sein
Dur bi renga xemilî – Die Perle schmückte sich mit farben
Sor bû sipî bû sefirî – Sie wurde rot, weiß und gelb

Dur bi renga geş bû – Die Perle glänzte mit den Farben
Berî ne erd hebû, ne eziman hebû, ne erş hebû – Vorher gab es weder Erde, noch Himmel, noch den heiligen Thron

Aus dem Staub der zerbersteten Perle und der Liebe als Fundament konnte nun die materielle Welt geschaffen werden und die nächste Stufe des Schöpfungsmythos begann.

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Feraş

 

Art. Nummer Autor Datum Aktualisierung
255 Hayrî Demir 28.10.2010

Name

Ein Feraş entzündet im Heiligtum Lalish ein Çira (Pîr Dîma; Lalish)

Ein Feraş entzündet im Heiligtum Lalish ein Çira (Pîr Dîma; Lalish)

Als kurd. Feraş, dt. Diener, wird einer Person bezeichnet, die im Heiligtum Laliş für das alltägliche Vorbereiten und Entzünden der Lichter, zusammengefasst sog. Çira, verantwortlich ist.

Allgemeines

Im Grund kann jeder Êzîdî die Aufgaben eines Feraş übernehmen. Üblicherweise wird diese Aufgabe jedoch von einem Feqîr wahrgenommen. Besonders zum Cimaya Şîxadî nimmt der Feraş mit der Entzündung des Çira während der Sema-Zeremonie (S. Bild2) eine bedeutende Rolle ein.

Quellen

Pîr Dîma: Êzdîyên Serhedê. Sedsala XIX – destpêka sedsala XX (Wergera ji Rûsî Ezîzê Cewo), Istanbul 2011 Bild: Pîr Dîma: Lalişa Nûranî. Peristgeha Êzdiyan, Yêkatêrînbûrg Basko 2008

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Metbexçî

Art. Nummer Autor Datum
254  Hayrî Demir 27.10.2010

Name

Metbexa Şîxadî li Lalişa Nûranî

Als Metbexçî wird eine Person bezeichnet, die zu bestimmten Anlässen wie dem Cimaya Şîxadî im Heiligtum Laliş heilige Speisen zubereiten. Der Name leitet sich aus dem Begriff arab. „مَطْبَخ“ (dt. metbach) für Küche ab.

Im Heiligtum Laliş werden die Speisen im Metbexa Şîxadî zubereitet.

Besonderheit

Nur sog. Feqîrê, die das heilige Gewand Xerqe tragen, dürfen die Aufgaben eines Metbexçî übernehmen und die Speisen zubereiten.

Quelle

Pîr Dîma: Êzdîyên Serhedê. Sedsala XIX – destpêka sedsala XX (Wergera ji Rûsî Ezîzê Cewo), Istanbul 2011

Bild: Pîr Dîma: Lalişa Nûranî. Peristgeha Êzdiyan, Yêkatêrînbûrg Basko 2008

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Micêwir

Art. Nummer Autor Datum
148  Hayrî Demir 25.10.2012

 

Name

Dayê Esmer – Micêwir der heiligen Quelle Kanîya Sipî

Als Micêwir wird eine Personen bezeichnet, die sich der Pflege und Erhaltung der regionalen Pilgerstätte, kurd. Zîyaret, in den êzîdîschen Dörfern annimmt.

 

Bedeutung

Neben der Pflege der örtlichen Pilgerstätte/Grabstätte nimmt der/die Micêwir auch eine bedeutende soziale Rolle ein. Er/sie gilt als Ansprech- und Schiedsperson bei dörflichen Angelegenheiten und Streitfragen.

Traditionellerweise übernehmen oft Würdenträger der Pîr oder Şêx Gruppe die Aufgabe einer/eines Micêwirs. Es ist jedoch nicht vorgeschrieben, dass ein Micêwir ein Würdenträger jener Gruppe sein muss. So gibt es viele Micêwir aus der Mirîd Gruppe.

Frauen wie Männer können die Würde des Micêwirs erlangen.

 

Quelle

Pîr Dîma: Êzdîyên Serhedê, Sedsala XIX- destpêka sedsala XX (2011), wergera ji rûsî Ezizê Cewo ISBN: 978-605-4427-01-7


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Dua – Gebet

Art. Nummer Autor Datum
75  Hayrî Demir 30.06.2012

Name

Êzîdîn betet im Heiligtum Lalish (getty)

Êzîdîn betet im Heiligtum Lalish (getty)

Dua ist ein iranisch, semitischer Begriff für Gebet. Seltener wird im kurdischen Sprachgebrauch das Wort „nimêj“ verwendet, welcher ebenfalls Gebet bedeutet.

Allgemein

Die Duas sind im lyrischen Stil verfasst und verstärken so vor allem den Effekt des Erinnerns, da die Duas wie die restlichen Überlieferungen der êzîdîschen Theologie mündlich tradiert wurden bzw. werden.

Es gibt verschiedene Anlässe od. Situationen, zu denen ein Gebet aufgesagt werden kann. So kann zwischen zeit- und situationsbedingten Gebeten unterschieden werden.

Zeitbedingte Gebete, z.B.:

  • Morgengebet (Dua Sibê), bei Sonnenaufgang
  • Mittagsgebet (Dua Nîvro), zu Mittag
  • Abendgebet (Dua Êvarê), bei Sonnenuntergang
  • Schlafgebet (Dua Razanê), kurz vor dem Schlafengehen
  • Monatsgebet (Dua Heyvê), zu Monatsbeginn

Situationsabhängige Gebete, z.B.:

  • Gebet vor der Arbeit (Dua Piştgirêdanê)
  • Abschiedsgebet/Reisegebet (Dua Oxirê)
  • Hochzeitsgebet (Dua Mehrê)
  • Todesgebet (Dua li ser giyanê mirî), beim Tod eines Êzîdî

Zahlreiche weitere sakrale Texte können zwischen diesen Kategorien unterschieden werden.

Gebetsritual (wie wird gebetet?)

Bevor ein Gebet rezitiert wird, sollte man sich sowie seine nähere Umgebung säubern. Mit leicht gekrümmtem Rücken wird in Richtung Sonne gebetet. Dabei wird die rechte Handoberfläche auf die linke Handunterfläche gelegt. Bei sprechen des Gebets sollte man seine Gedanken konzentrieren.

Gebetsarten

Grundsätzlich kann unter folgenden Gebeten unterschieden werden

  1. Bitt- bzw. Fürgebete
  2. Schutzgebete
  3. Lobpreisungen

1. Bitt- bzw. Fürgebete

Auffallend ist vor allem, dass ein êzîdisches Bittgebet immer ein Fürgebet ist. Das heißt, dass ein Einzelner nie nur für sich selbst, sondern auch immer für andere mitbetet.

Beispiel

(Dua Sibê, S. 9 – Morgengebet, S. 9)

Ya Şêşims te em xwestine ser vê xilmetê – Oh Sheshims! Du hast uns diese Aufgabe zugeordnet
Li me vekî dergehê rahmetê  - Öffne für uns die Tore der Barmherzigkeit
Ronahiyekê bidî ber dilê me û çendî sinetê – Erleuchte unsere Herzen und die der anderen Gläubigen

(Dua Oxirê, S.8 – Reisegebet/Abschiedsgebet S.8)

Em duhayê bikin li ber pîrê kar û xafûrê rêya – Wir beten zu Pîrê Kal und Xafûrê Rêya
Li me, hazir û guhdaran li hemû wexta û hemû deran – Für uns, für die Anwesenden und Zuhörer, zu jeder Zeit und an jedem Ort

2. Schutzgebete

Beispiel

(Dua Êvarê, S.1 – Abendgebet, S.1)

Ya siwarê rojhilatê, rojava yê – Oh Du, der dem Sonnenauf- und untergang befiehlt
Hûn bidene xatira dotê û dayê – Gebt der Mutter und der Schwester Schutz
Hûn me xilas kin ji qedayê, ji bela yê – Befreit uns von Katastrophen, von Problemen
Hûn bidene xatira kaniya sipî yê  - Im Andenken an die heilige weiße Quelle
Ya Şêşims tu halê mala xwe bipirsî û me jî vê carê – Oh Sheshims, wache über dein Haus und das unsere

3. Lobpreisung

Beispiel

(Dua li ser giyanê mirî. S.1 – Totengebet, S.1)

Ya Xwedê her tû yî û her tû yê hey û her dê hebî – Oh Herr, du bist ewig, du warst ewig und wirst ewig sein
Ya Xwedê ne tû ji kesî û ne kes ji te ye – Oh Herr, von niemandem stammst Du und niemand ist von Dir
Êk firwarî, bê şirîkî,bê hevalî – Ein Wesen, ohne Desgleichen, ohne Freund

Reimfolgen und -formen

Die Duas sind vor allem in Haufenreim und Kreuzreim niedergeschrieben. Die häufigste Reimform ist der Endreim. Daneben auch, jedoch seltener, der Pausenreim, der identische Reim, der Zwillingsreim sowie zahlreiche Ausnahmen und Eigenarten der kurdischen Sprache.

Haufenreim

Beispiel 1

(Dua Piştgirêdanê, S.2 – Arbeitsgebet, S.2)

Yek zar e,yek ziman e – Ein Sprache, eine Zunge
Yek dîn e,yek îman e – Ein Glaube, eine Überzeugung
Yek aqil e yek fam e – Ein Verstand, ein Aufassungsgabe

Beispiel 2

Ya Sêsims tu meferî – Oh Sheshims, Du bist die Erlösung
Ya Tawisî Melek tu îmana minî – Oh Tawisî Melek, Du bist meine Überzeugung
Ya Melek Fexredîn tu rêberî – Oh Engel Fexredîn, Du bist der Führer
Ya xaliqê minî her û herî – Oh mein ewiger Schöpfer

Kreuzreim:

(Dua Nîvro, S.9 – Mittaggebet, S.9)

Ya rebî tu bidî xatirê şev û rojê û buhuştê û doj ê – Oh Herr, im Andenken an Tag und Nacht, Paradies und Hölle
Ya rebî tu me û sinetê vexwînî - Oh Herr, Du forderst uns und die anderen Gläubigen auf
Dîwana xas û mominetê jorê – Der heilige Rat der Heiligen und Erleuchtenden im Himmel
Ya rebî her û her her tuyî - Oh Herr, ewig und unendlich bist Du

Endreim: (siehe Haufenreim)

Pausenreim:

Beispiel 1

(Dua li ser giyanê mirî. S.1 – Totengebet, S.1)

Ya Xwedê her tû yî û her tû yê hey û her dê hebî - Oh Herr, du bist ewig, du warst ewig und wirst ewig sein
Ya Xwedê ne tû ji kesî û ne kes ji te ye - Oh Herr, von niemandem stammst Du und niemand ist von Dir
Êk firwarî, bê şirîkî,bê hevalî - Ein Wesen, ohne Desgleichen, ohne Freund

Beispiel 2

Çi sibeyek hoye kubar e – Was für ein schöner Morgen
Derê Bihustê li ber min vebû – Das Tor des Paradies öffnete sich mir
Her çar yara – Die vier Freunde

Identischer Reim:

Beispiel 1

(Dua Tokê, S.1 – Gebet des heiligen Gewandes, S.1)

Şêşims nûre – Sheshim ist das Licht
Xwedê nur e´la nûre – Der Herr ist das Licht des Lichtes

Beispiel 2

Her çar yara – Die vier Freunde
Ez çûme silavê biran û yara – Ich begrüßte die Brüder und Freunde

Zwillingsreim:

Beispiel 1

(Dua Heyvê, S.8 – Monatsgebet, S.8)

Ya melek Fexredîn heyva nû qismetê kevin – Oh Engel Fexredîn, ein neuer Monat, alte Elemente
Ya melek Fexredîn heyva nû qismetê kevin – Oh Engel Fexredîn, ein neuer Monat, alte Elemente

Waise

Beispiel 1

(Dua Êvarê, S.4 – Abendgebet, S.4)

Hûn bidene xatira çerxan û felekan – Im Andenken an das Weltall und die Planeten
Horiyan û melekan – Feen und Engel
Sira Tawsî Melek û çarde tebeqan – Das Geheimnis des Gottes Engel und den vierzig Schichten
Ya Şêşims tu pirsiyareke xêrê li me û hazira bike – Oh Sheshims, wache über uns und die Anwesenden
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Extîyarê Mergehê – Der Weise des Fürstentums

Art. Nummer Autor Datum
251  Pîr Dîma
Übersetzt aus dem Kurdischen von Ilyas Yanc
Ergänzungen von Hayrî Demir
29.03.2012

 

Name

Extîyarê Mergehê ist eine Würde, die einem Êzîden mit außergewöhnlichen Fähigkeiten verliehen wird. Der Name setzt sich wie folgt zusammen:

Kurd. Extîyar bzw. Ixtîyar für „alt“ bzw. „weise“ und Mergeh als Bezeichnung des Ortes des Heiligtums Lalisch.

Der Name bedeutet somit sinngemäß „der Weise von Lalisch“.

 

Bedeutung und Ernennung

Der Extîyarê Mergehê verfügt über ein enormes Wissen der ezidischen Religionslehre. Er beherrscht so gut wie alle heiligen Texte, die unter dem Begriff Qewls zusammengefasst werden. Er nimmt eine Führungsposition ein, die ihn dazu befugt, Entscheidungen zu treffen oder wesentlich mitzubestimmen.

Der Titel wird oft dem Bavê Şêx verliehen, da dieser die genannten Voraussetzungen immer erfüllen muss. In der Vergangenheit kam es aber auch schon vor, dass einfach Laien, d.h Mirîden zu Extîyarê Mergehê wurden. Zwei solcher Laien waren Koçek Cem und Koçek Brahîm.

Die Koppelung der beiden Titel Bavê Şêx und Extîyarê Mergehê ist oft Anlass dazu, dass einige der Meinung sind, diese Mirîden wären zum Bavê Şêx ernannt worden , was nicht der Fall ist.

Der Extîyarê Mergehê wird vom ezidischen Rat, kurd. Civata Ruhanî, auserwählt.

 

Stammbaum des Extîyarê Mergehê

Bavê Şêx Xeto

Şêx Xoşêna

Şêx Îdo

Şêx Meşal

Koçek Cem

Şêx Koçek, Şêx Xemir

Şêx Reşkê

Koçek Birîm

Şêx Birim, Şêx Nasir

Şêx Hecî, Şêx Alî

Şêx Silêman, Şêx Îsmaîl

Şêx Hacîyê  Şex Nasir

Şêx Hacî

Şêx Îliyas

Şêx Xeto

Der amtierende Extîyarê Mergehê ist Bavê Şêx Xeto.

 

Quelle

Pîr Dîma: Êzdîyên Serhedê, Sedsala XIX- destpêka sedsala XX (2011), DO
Verlag

Pîr Dîma, L. Îavasko  und S. Grîgoriyêv: Lalişa Nûranî,  Yêkatêrînbûrg: Basko, 2008.— 216 rr., wêne.


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Pismîr – Familie des Fürsten

Art. Nummer Autor Datum
247  Pîr Dîma
Übersetzt aus dem Kurdischen von Ilyas Yanc
Ergänzungen von Hayrî Demir
28.03.2012

Name

Pismîr ist iranischen Ursprungs und aus zwei Silben zusammengesetzt: die erste Silbe „Pis“, iranisch „پسر“ bedeutet „Sohn“ und die zweite Silbe „Mîr“ ist die Bezeichnung für die höchste ezidische Autorität und meint sinngemäß „Fürst“. Pismîr bedeutet demnach „Söhne des Fürsten“ bzw. sinngemäß „Nachkommen des Fürsten“.

 

Die Pismîr Familie

Die Pismir Familie ist der Mîr-Familie sehr nah, sie sind von der Herkunft her Prinzen. Der Begriff Pismir ist iranischen Ursprungs, die Pismirs sind die Nachkommen des Mîr Mansûr. Die Mîr Familie stammt von dem Bruder des Mîr Mansûr, Mir Melek ab.

 

Quelle

Pîr Dîma: Êzdîyên Serhedê, Sedsala XIX- destpêka sedsala XX (2011), DOVerlag


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Bavê Gavan

Art. Nummer Autor Datum Aktualisierung
250 Hayrî Demir 28.03.2012

Name

Bavê Gavan bedeutet wörtlich „Vater der Hirten“, aus dem kurd. „bav“ für Vater und „gavan“ für Hirte. Die Würde des Bavê Gavan wird ausschließlich einem Sheikh aus der Amadîn Şêx Gruppe der Şemsanî Şêxs verliehen.

Bedeutung

Der Bavê Gavan ist seelsorgerisch tätig. Zu den Aufgaben des Bavê Gavan gehören das Aufsuchen der Eziden und das Lösen von Konflikten. Er wird sowohl bei Konflikten zwischen den Stämmen als auch bei familiären Problemen gerufen. Sein Amt verleiht ihm innerhalb der êzîdîschen Gesellschaft Ansehen und Respekt, wodurch er von allen Konfliktparteien als neutrale Vermittlungsperson akzeptiert wird. Amtierender Bavê Gavan ist Şêx Enter.

Quelle

Pîr Dîma,Êzdîyên Serhedê, Sedsala XIX- destpêka sedsala XX,DO Verlag, 2011

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Pêşîmamê Mergehê – Der religiöse Führer des Fürstentums

Art. Nummer Autor Datum
248  Pîr Dîma
Übersetzt aus dem Kurdischen von Ilyas Yanc
Ergänzungen von Hayrî Demir
01.04.2012

 

Pêsîmamê Mergehê ist der Name einer Würde innerhalb der ezidischen Gesellschaft, die ausschließlich einem der Sheikhs aus der Şêxsin Gruppe der Adani Şêxs verliehen wird.

links: Pêşîmamê Mergehê Sheikh Farûk, rechts: Bavê Sheikh Sheik Xeto

Name

Der Name Pêşîmamê Mergehe setzt sich wie folgt zusammen:

Kurd. Pêşîmam aus „pêş“ für dt. „vorne“ bzw. „Erster“ und kurd. Îmam für „religiöser Führer“

Mergeh bezeichnet den Ort des Heiligtums Lalish.

Pêşîmamê Mergehê bedeutet somit sinngemäß „Religiöser Führer von Lalish“.

 

Bedeutung

In religiösen Zeremonien und Ritualen übernehmen sie die Führung. Bei Festen und Riten ist der Pêşîmamê Mergehê derjenige, der noch vor allen anderen die Zeremonie führt. Zurzeit wird diese Position von Sheikh Faruk bekleidet.

 

Quelle

Pîr Dîma,Êzdîyên Serhedê, Sedsala XIX- destpêka sedsala XX,DO
Verlag, 2011


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Pêşîmamê Bavê Şêx – Der religiöse Begleiter des Bave Sheikh

Art. Nummer Autor Datum
249  Pîr Dîma
Übersetzt aus dem Kurdischen von Ilyas Yanc
Ergänzungen von Hayrî Demir
01.04.2012

 

Name

links: Bavê Şêx Şêx Xeto, rechts: Pêşîmamê Bavê Şêx Şêx Nûman

Pêşîmamê Bavê Şêx ist der Name einer Würde innerhalb der ezidischen Gesellschaft, die ausschließlich einem der Sheikhs aus der Şerfedîn Gruppe der Adani Şêxs verliehen wird.

Der Name Pêşîmamê Bavê Şêx setzt sich wie folgt zusammen:

Kurd. Pêşîmam aus „pêş“ für dt. „vorne“ bzw. „Erster“ und kurd. Îmam für „religiöser Führer.

Pêşîmamê Bavê Şêx bedeutet somit sinngemäß „der Begleiter des Bavê Şêx“

 

Bedeutung

Der Pêşîmamê Bavê Şêx ist in der Regel stetiger Begleiter des Bavê Şêx. In religiösen Zeremonien geht er dem Bavê Şêx voraus. Jetziger Pêşîmamê Bavê Şêx ist Şêx Nûman.

 

Quelle

Pîr Dîma,Êzdîyên Serhedê, Sedsala XIX- destpêka sedsala XX,DO Verlag, 2011


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