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Hussein Dumbeli

Art. Nr. Autor Datum
126 Diar Khalaf 03.09.2016

Hussein Dumbeli war ein êzîdisches Oberhaupt und lebte im 18./19. Jahrhundert. In einem Bericht über ihn wird er Hussein Dumbalan genannt und Dumbalan fälschlicherweise als der Name seines Vaters angegeben. Vielmehr ist „Dumbalan“ eine Verballhornung von Dumbeli/Dumbeliyan, der Name eines alten êzîdischen Stammes der in Schingal und Sheikhan verbreitet ist. Unter den Êzîden ist er daher als Hussein Dumbeli bekannt.

Als Oberhaupt von Schingal

Im frühen 19. Jahrhundert war Hussein Dumbeli das einflussreichste Oberhaupt von Schingal. Er kontrollierte die Wege der Karawanen, die nur mit seine Zustimmung und gegen eine Bezahlung passieren durften. Der muslimische Reisende Mirza Abu Talib Chan (1752 – 1806), der 1802 Schingal besuchte, schrieb: „Ihr [Êzîden in Schingal] Oberhaupt heißt Hussein, und hatte im Laufe dieses Jahres nur eine einzige Karavane geplündert, welche ihm seinen Tribut zu schicken unterlassen und die Wüste, ohne ihn zu benachrichtigen, zu passiren gesucht hatte.“ (Mohr und Zimmer 1812: S. 249).

Chan erwähnt weiter, dass die Êzîden anfingen auch in den benachbarten Gebieten Räubereien zu begehen. Ein Jahr später startete Ali Pascha, der Gouverneur von Bagdad einen großen Angriff auf Schingal und zerstörte mehrere Dörfer. 1809 kam es zu einem erneuten Angriff durch den neuen Gouverneur Suleiman Pascha. Trotz den Angriffen und Verlusten weigerte Hussein Dumbeli sich dem Gouverneur zu unterstellen. Er bezahlte den arabischen Stamm der Tay, die von den Osmanen ausgerüstet wurde um die Karawanen in Schingal vor den Êzîden zu schützen, jährlich eine hohe Summe um die Kontrolle über die Karawanenwege zu behalten und den Tay-Stamm vor den Ackerländern der Êzîden fernzuhalten. Der letzte Bericht über ihn stammt von 1818, wann er starb ist nicht bekannt.

Die Schlacht am Wadi Khanzir

Êzîdischen Überlieferungen zufolge soll bei Wadi Khanzir, einem Nebenfluss von Chabur, eine Schlacht zwischen Êzîden unter der Führung von Hussein Dumbeli und dem kurdischen Stamm Miran und ihren verbündeten arabischen Stämme stattgefunden haben.

Der êzîdische Gelehrte Mir Ismail Chol Beg (1888 – 1933) schilderte die Schlacht in seinem 1934 erschienen Buch: So soll sich der kurdische Stamm der Miran unter ihrem Oberhaupt Badir Agha gemeinsam mit Arabern aus Zakho, insgesamt ungefähr 2000, Schingal genährt haben und vor allem darauf abzielte, êzîdische Frauen zu verschleppen. Hussein Dumbeli rief die êzîdischen Oberhäupter zusammen und stellte eine etwa 2000 Mann starke Truppe auf. In der Nacht griffen die Êzîden ihr Lager an, die muslimischen Kämpfer konnten den Überraschungsangriff nicht standhalten und wurden vernichtend geschlagen. Sie ergriffen die Flucht und über eintausend von ihnen wurden getötet. Die Êzîden hatten keine großen Verluste. Während den Kämpfen wurde der Bruder von Hussein Dumbeli getötet (Bois 1945: S. 3).

Literaturverzeichnis

Bois, Th. [Thomas] (1945): Le Djebel Sindjar au début du XIXe siécle, in: Roja Nu, 56. Ausgabe, S. 3, Beirut.

Campanile, P. M. Giuseppe (1818): Storia della regione del Kurdistan e delle sette di religione ivi esistenti, Naples.

Lescot, Roger (1938): Enquête sur les Yezidis de Syrie et du Djebel Sindjar, Beirut.

Mohr und Zimmer (1812): Reise des Mirza Abu Taleb Khan durch Asien, Afrika und Europa in den Jahren 1799, 1800, 1801, 1802 und 1803: Nebst einer Widerlegung der Begriffe, welche man in Europa von der Freyheit der Asiatischen Weiber hat, Heidelberg.

Badir Kebanek

Art. Nr. Autor Datum
125 Diar Khalaf 01.09.2016

Badir Kebanek war ein êzîdisches Oberhaupt, das im 13./14. Jahrhundert lebte. Die einzige schriftliche Quelle über ihn ist das Werk „Masālik al-abṣār fī mamālik al-amṣār“ (1338) von dem arabischen Historiker Ibn Fadlallah al-Umari (1300 – 1349).

Leben

Badir Kebanek lebte im heutigen Sheikhan und war der Stammesführer eines großen Stammes, dessen Angehörige von Ibn Fadlallah als „gut bewaffnet und mutig“ beschrieben werden. Sein Vater hieß Kebanek. Er hatte eine Frau und mehrere Kinder. Die dortigen êzîdischen Stämme wurden von ihren Nachbarn mit dem Kollektivnamen Dasini bezeichnet, so auch von Ibn Fadlallah; der Name seines Stammes ist daher nicht bekannt, er wird aber als ein Zweig des einst großen êzîdischen Stammes der Bokhtis angegeben. Die Größe und Stärke des Stammes änderte sich, als Badir Kebanek beschloss, sich mit seiner Familie und seinem Stamm an einem schwer zugänglichen Ort zurückzuziehen. Der Stamm wurde unorganisiert, zersplitterte und teilte sich auf. In Mosul lebten 1000 männliche Stammesangehörige unter ihrem Oberhaupt Aladin Kurek. Etwa 500 weitere Männer in Akrê unter ihren Oberhäuptern Abu Ali und Musa Bahadin.

Quelle:

al-ʿUmarī, Ibn Faḍlallāh Shihāb al-Dīn: Masālik al-abṣār (1338), ins Französische übersetzt von Quatremère, Étienne Marc: Notice de l’ouvrage qui a pour titre: Mesalek alabsar fi memalek alamsar, in: Notices et extraits des manuscrits de la Bibliothèque impériale et autres bibliothèques, 1838, Band 13, Teil 1, S. 151 – 384.

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Dayê Şêrîn

Art. Nr. Autor Datum
268 Hayrî Demir 14.02.2016
Dayê Şêrîn

Dayê Şêrîn

Daye Scherin, kur. Dayê Şêrîn, war eine der ältesten Tempeldienerinnen des Zentralheiligtums Lalisch im Nordirak. Im Jahr 1924 wurde sie in Shingal geboren und gehörte dem Stamm der Hababa an. Sie schloss sich im Jahr 1954 dem Frauenorden der Feqra in Lalish an und diente über 62 Jahre lang als Tempeldienerin.

Daye Sherin galt als höchste Ordensschwester, weshalb man sie auch als Dayê Kebanî, dt. Mutter der Hüterinnen, bezeichnete. Im Alter von 92 starb Daye Scherin im Heiligtum Lalisch. Unter Anteilnahme hoher Würdenträger wurde sie im Heiligtum beigesetzt. Sie galt als eine der wichtigsten Persönlichkeiten der êzîdîschen Gemeinschaft. Zu ihren Aufgaben gehörten unter anderem die Herstellung der heiligen Çira-Lichter, die täglich im Heiligtum entzündet werden.

Die Würde der Dayê Kebanî ist mit einer großen Anerkennung innerhalb der êzîdîschen Gemeinschaft verbunden. Die Dayê Kebanî hat wie der Bavê Çawîş ihren Lebensmittelpunkt in Lalish und lebt als eine der wenigen Menschen durchgehend dort.

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Majid Abdul Salam Al-Tamimi, Dr. Maj. Gen.

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Art. Nr. Autor Datum
267 Hayrî Demir 08.08.2015
Gen. Maj. Majid Abdul Salim Al-Tamimi

Gen. Maj. Majid Abdul Salim Al-Tamimi

Dr. Maj. Gen. Majid Abdul Salim Al-Tamimi (geb. 1960 in Basra, Irak; gest. 12. Aug. 2014 in Shingal) war ein irakischer Pilot und Generalmajor der irakischen Luftwaffe.

Leben

Er absolvierte die Militärakademie und promovierte anschließend in Internationalem Recht. Wegen seiner Weigerung an den Anfal-Operationen des Saddam-Regimes gegen die Kurden und den Unterdrückungswellen im Süden des Iraks als Pilot teilzunehmen, wurde Maj. Gen. Al-Tamimi aus dem Militär ausgeschlossen und für sechs Monate inhaftiert.

Nachdem die Baath-Diktatur im Jahr 2003 gestürzt wurde, war er maßgeblich an der Neuformierung der irakischen Luftwaffe beteiligt und war stellvertretender Oberbefehlshaber der Luftstreitkräfte. Al-Tamimi war zudem Leiter der militärischen Gegenoffensive der IQAF gegen die Terrormiliz IS.

Shingal-Krise
Maj. Gen. Al-Tamimi während einer Rettunsaktion im Shingal-Gebirge

Maj. Gen. Al-Tamimi während einer Rettunsaktion

Als der Bürgerkrieg im Irak im Jahr 2014 erneut mit dem Einfall der Terrormiliz „Islamischer Staat“ im Irak ausbricht, leitet Maj. Gen. Al-Tamimi die militärische Gegenoffensive der irakischen Luftwaffe gegen die Terroristen. Am 3. August 2014 fallen die IS-Terroristen schließlich auch über das Hauptsiedlungsgebiet der êzîdîschen Minderheit Shingal im Nordirak her.

Über Nacht stürmen die IS-Terroristen die Gemeinden und Dörfer der Êzîden, töten und verschleppen ersten UN-Angaben nach über 10.000 Êzîden. Über 400.000 Êzîden müssen flüchten. Zehntausende suchen im Shingal-Gebirge Schutz. Ohne Wasser und Nahrung harren die Menschen dort bei Temperaturen von über 40°C tagelang aus; viele Hunderte sterben an Dehydrierung, fehlender medizinischer Versorgung oder Hunger.

Gen. Maj. Al-Tamimi fliegt zusammen mit seiner Einheit über Tage hinweg Hilfsgüter in das Gebirge und evakuiert auf dem Rückflug dutzende Êzîden. Ihn begleiten immer wieder êzîdîsche Politiker und Aktivisten, so etwa Dr. Mirza Dinnayi oder die Abgeordnete Vian Dakhil. Aufnahmen vom 8. August zeigen Gen. Maj. Al-Tamimi während eine Rettungsaktion im Shingal-Gebirge.

Unfall und Tod

Am 12. August 2014 fliegt Al-Tamimi erneut Hilfsgüter zu den Menschen in das Shingal-Gebirge. Auch Aktivisten, Journalisten und Politiker begleiten ihn. Unter ihnen auch Alissa J. Rubin, New York Times Chefin in Paris, der Fotograf Moises Saman sowie Dr. Dinnayi und Vian Dakhil. Nachdem die Hilfsgüter abgeladen und dutzende Flüchtlinge in den überladenen Helikopter steigen, stürzt der Helikopter vom Typ Mi-17 wenige Sekunden nach dem Start ab. Der Helikopter kollidierte Augenzeugen zufolge mit einem Hang am Gebirge. Dutzende Passagiere, etwa 40, werden teilweise schwer verletzt. Al-Tamimi überlebt den Absturz als einziger nicht.

NYT-Chefin Rubin erklärte, dass Al-Tamimi von der ganzen Krise „sehr berührt war“ und versuchte „alle zu retten, vor allem die Kinder“. Ein zweiter Rettungshelikopter trifft am Unfallort ein und evakuiert die Verletzten.

Wenig später erklärte der Pressesprecher der irakischen Streitkräfte, Kasim Atta, dass ein technischer Defekt den Absturzes verursachte.

Beisetzung und Anerkennung 

Mit großen militärischen Ehren und der Anwesenheit des irakischen Verteidigungsministers sowie der Oberbefehlshaber der irakischen Streitkräfte wurde Maj. Gen. Al-Tamimi in Basra beigesetzt.

Beisetzung Maj. Gen. Majid Abdul Salam Al-Tamimi in Basra

Beisetzung Maj. Gen. Majid Abdul Salam Al-Tamimi in Basra

Die kurdische Regierung in Erbil hat Maj. Gen. Al-Tamimi auf Wunsch der Êzîden hin offiziell zum „Märtyrer Kurdistans“ erklärt. Ihm zu Ehren wurde im Sami Abdulrahman Märtyrer-Park in Erbil ein Denkmal errichtet. Das Denkmal zieren Abbildungen von Kuppeln êzîdîscher Heiligtümer.

Die Oberbefehlshaber der êzîdîschen Verteidigungskraft Shingals (HPŞ), Heydar Shesho und Dawid Cindî, besuchten Angehörige der Familie Al-Tamimi in Europa und bekundeten ihr Beileid. Maj. Gen. Al-Tamimi werde in der êzîdîschen Geschichte als Held verewigt werden, äußerten die Oberbefelshaber unter anderem.

Quellen

Stableford, Dylan: „Injured New York Times correspondent describes helicopter crash on Mt. Sinjar“, in: YahooNews. Stand: 8. August 2015; http://news.yahoo.com/nyt-helicopter-crash-sinjar-iraq-yazidis-173625511.html

Kedmey, Dan: „Helicopter Delivering Aid to Refugees Crashes in Sinjar Mountains“, in: Times. Stand: 8. August 2015;  http://time.com/3103881/helicopter-mt-sinjar-moises-saman-vian-dakhil/

Berwari, Hawar: „Atta confirms helicopter crash for technical defect in Sinjar“, in: IraqiNews. Stand: 8. August 2015;  http://www.iraqinews.com/iraq-war/atta-confirms-helicopter-crash-for-technical-defect-in-sinjar/

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Dawid Isa

Art. Nr. Autor Datum
266 Diar Khalaf 19.06.2015

Dawid Isa (gest. 1882 in Mihirkan) war ein Oberhaupt des êzîdischen Dorfes Mihirkan in Shingal. Er war der Vater von Dawid ê Dawid, einer der berühmtesten und wichtigsten Persönlichkeiten der Êzîden im 20. Jahrhundert.

Leben und Familie

Dawid Isa war der Sohn von Isa Agha und Enkelsohn von Adi Della. Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1875 wurde er zum neuen Oberhaupt von Mihirkan. Im Jahr 1882 wurde Mihirkan von den Osmanen angegriffen, bei der Verteidigung fiel Dawid Isa1. Seine Ehefrau war zu der Zeit noch schwanger, Dawid Isa konnte die Geburt seines Sohnes nicht miterleben, weshalb der Sohn nach seinem Vater Dawid benannt wurde2.

Nach dem frühen Tod von Dawid Isa wurde sein jüngerer Bruder Hesso Isa zum neuen Oberhaupt des Dorfes ernannt. In erwachsenen Jahren konnte Dawid e Dawid als Nachfolger seines Vaters agieren und wurde zum neuen Oberhaupt des Dorfes3.

Literaturverzeichnis

Xankî, Kovan (2011): Rengvedana Qehremanên Êzîdiyan Di Helbesta Kurdî de, in: Yezidische Helden – Mêrxasên Êzîdiyan, Oldenburg, S. 309-319.

Rişkanî, Silêman (2011): Jiyannama Dawidê Dawid, qehremanê du fermanan, in: Yezidische Helden – Mêrxasên Êzîdiyan, Oldenburg, S.326-332.

Einzelnachweis

[1] Vgl. Rişkanî 2011: S. 327f.; Xankî 2011: S. 310.
[2] Rişkanî 2011: S. 327.
[3] Rişkanî 2011: S. 327f.

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Adi Della

Art. Nr. Autor Datum
265 Diar Khalaf 18.06.2015

Adi Della war ein Oberhaupt des êzîdîschen Dorfes Mihirkan in Shingal. Über sein Leben existieren nur sehr wenige sichere Angaben.

Leben und Wirken

Adi Della gehörte der Familie an, aus denen die Oberhäupter des Mihirkan-Dorfes hervorgegangen sind. Er war für alle politischen Angelegenheiten des Dorfes sowie auch für die Dorf eigene Miliz zuständig, die in den kommenden Jahrzehnten eine herausragenden Rolle spielen sollte.

So war im Jahr 1810 Mihirkan Ziel eines Angriffes von Süleyman Qatil geworden, dem Gouverneur von Bagdad1. Adi Della führte den Widerstand der Mihirkan mit der Dorfmiliz an.

Nach dem Tod von Adi Della, vermutlich eines natürlichen Todes gestorben, wurde sein Sohn Isa Agha zu seinem Nachfolger ernannt.

Nachkommen

Die Nachkommen und Nachfolgen Adi Dellas genießen bis heute unter den Êzîden hohes Ansehen, das Dorf Mihirkan ist vor allem für seinen militärischen Widerstand gegen muslimische Angreifer bekannt. Zu den bekanntesten Nachkommen Adi Dellas gehören: Sein Sohn Isa Agha, der 1846 erfolgreich gegen Tayyar Pasha, den Wali von Mosul, kämpfte2. Dawid Isa, der im Jahr 1882 erneut gegen die Osmanen kämpfte und auf dem Schlachtfeld fiel3. Und der wohl berühmteste Nachkomme Dellas, sein Urenkel Dawid ê  Dawid, eine bedeutende Führungspersönlichkeit der êzîdischen Aufstände gegen das Königreich Irak zwischen 1935 – 19414.

Noch heute leben viele Nachkommen Adi Dellas in Shingal, die vor dem Völkermord an den Êzîden am 3. August 2014 noch in Mihirkan ansässig waren.

Literaturverzeichnis

Farhan, Adnan Zeyan (2011): Dawoud Dawoud und die Kämpfe gegen die Wehrpflicht, in: Yezidische Helden – Mêrxasên Êzîdiyan, Oldenburg.

Layard, Austen Henry (1849): Nineveh and Its Remains: With an Account of a Visit to the Chaldean Christians of Kurdistan, and the Yezidis, Or Devil-worshippers; and an Inquiry Into the Manners and Arts of the Ancient Assyrians, London, Vol. I.

Lescot, Roger (1938): Enquête sur les Yézidis de Syrie et du Djebel Sindjâr, Beirut.

Rişkanî, Silêman (2011): Jiyannama Dawidê Dawid, qehremanê du fermanan, in: Yezidische Helden – Mêrxasên Êzîdiyan, Oldenburg, S.326-332.

Einzelnachweis

[1] Lescot 1938: S. 125.
[2] Layard 1849: S. 316ff.
[3] Rişkanî 2011: S. 327.
[4] Farhan 2011: S. 224ff.

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Isa Agha

 

Art. Nummer Autor Datum Aktualisierung
264 Diar Khalaf 17.06.2015

Isa Agha (gest. 1875 in Deir ez-Zor, Syrien) war ein Oberhaupt des êzîdischen Dorfes Mihirkan in Shingal und Sohn von Adi Della. In der êzîdischen Geschichte ist er vor allem für seinen erfolgreichen Kampf im Jahr 1846 gegen den osmanischen Gouvaneur von Mosul, Tayyar Pasha, bekannt. Er war ein Freund des britischen Archäologen Austen Henry Layard1.

Leben und Wirken

Isa wurde als erster Sohn von Adi Della in Mihirkan geboren. Nach dem Tod seines Vaters wurde er das neue Oberhaupt von Mihirkan2. Von 14 Oktober 1846 bis 17. Oktober 1846 tobte in Mihirkan und in den hohen Höhlen im Shingal-Gebirge nahe dem Dorf ein erbitterter Kampf zwischen den osmanischen Truppen Tayyar Pashas und den Dorfbewohnern Mihirkans, die unter dem Kommando von Isa Agha kämpften.

Die osmanischen Truppen, von Anzahl an Kämpfern und militärischer Ausrüstung her den Êzîden weit überlegen, wurden vernichtend geschlagen. Die Êzîden ist die Flucht gelungen3. Das Dorf allerdings war verwüstet und auch drei Jahre nach dem Kampf war der Großteil des Dorfes immer noch zerstört4.

Im Jahr 1875 wurde Isa Agha mit einigen anderen êzîdidschen Oberhäuptern vom Gouverneur von Deir ez-Zor hingerichtet5. Zu seinem Nachfolger wurde sein Sohn Dawid.

Literaturverzeichnis

Guest, John S. (1993): Survival Among the Kurds: A History of the Yezidis.
Layard, Austen Henry (1849): Nineveh and Its Remains: With an Account of a Visit to the Chaldean Christians of Kurdistan, and the Yezidis, Or Devil-worshippers; and an Inquiry Into the Manners and Arts of the Ancient Assyrians, London, Vol. I.
Layard, Austen Hanry (1853): Discoveries among the ruins of Nineveh and Babylon, New York.
Rişkanî, Silêman (2011): Jiyannama Dawidê Dawid, qehremanê du fermanan, in: Yezidische Helden – Mêrxasên Êzîdiyan, Oldenburg, S.326-332.

Einzelnachweis
[1] Layard 1853: S. 212f.
[2] Vgl. Rişkanî 2011: S. 237.
[3] Layard 1849 : S. 316ff.
[4] Layard 1853: S. 213.
[5] Vgl. Guest 1993: S. 123.

Sitîya Zîn

 

Art. Nummer Autor Datum Aktualisierung
262 Dîar Khalaf 15.09.2013

Name

Der kurdische Begriff „Sit(î)“ wird als weiblicher Ehrentitel gebraucht und bedeutet in etwa „Dame“ bzw. „edle Frau“. Zîn ist ein kurdischer Frauenname.

Sitiya Zin bedeutet sinngemäß übersetzt „die edle Dame Zîn“.

Leben und Wirken

Sitiya Zin ist eine sehr bedeutende weibliche Heilige der Eziden. Über sie existieren wie oft bei Heiligen der Êzîden wenig schriftliche Überlieferungen.. Sie lebte im 12./13. Jahrhundert und war die Ehefrau des bedeutenden ezidischen Heiligen Êzdina Mîr, der vor der Ankunft Sheikh Adis ein Fürst der Eziden war. Seine zweite Frau war Sitiya Ereb[1]. Diese drei Persönlichkeiten sind die Stammeltern der heutigen Shemsanî-Sheikhs.

Sitiya Zîn war die Mutter von Sheikh Fekhre Adiyan (Sheikh Fekhredin/Şêx Fexredîn), einem der bekanntesten Heiligen, und von Sheikh Shems (Sheikh Shemsedin/kurd. Şêx Şemsedîn)[2]. In einer religiösen Überlieferung heißt es:

[toggle_content title=“Qesîda Şêşims û Melik Fexredîn“]

S. 1, 1-3:

Şemsedîne û Fexredîne

Her dû pisêt sitiya Zîne

Her dû xelefêt Şêx Êzdîne[/toggle_content]

[toggle_content title=“Das Qasid von Sheshims und Melik Fekhredin“] [3], Str. 1, V. 1-3:

Shemsedin und Fekhredin,

Beide sind die Söhne von  Sitiya Zin,

Beide sind die Nachkommen von Sheikh Ezdin (Ezdina Mir). [/toggle_content]
Sitiya Ereb war wiederum die Mutter von Sheikh Nasirdîn und Sheikh Sicadîn[4].

Nach Dr. Khalil Jindy Rashow, Bavî Azad und Kheri Bozanî war Sitiya Zîn die Tochter von Sheikh Adi II.[5], der Sohn von Sheikh Abu Barakat; Sheikh Abu Barakat war der Neffe von Sheikh Adi, einem der höchsten Heiligen der Êzîden.

Sitiya Zîn in den êzîdîschen Überlieferungen

Als Mutter zweier heiliger Persönlichkeiten, nimmt sie alleine aufgrund dieser Tatsache schon eine bedeutende Rolle ein. Weiterhin war sie, wie viele Frauen in der êzîdîschen Geschichte, ein wichtiger Teil der intellektuellen Elite der damaligen Zeit. Sie wird in dem „Qewlê Ferwarê (Die Hymne des Befehls)“ und „Qewlê Hesinê Celê (Die Hymne des Hesîn Celê)“ erwähnt.

Gedenkort im Lalish zu Ehren Sitiya Zîns

Im Heiligtum Lalish wird Ihr zu Ehren ein „Qendîl (dt. Lichter zu Ehren Heiliger)“ bzw. „Çira“ Sitiya Zin[6] gewidmet, das an einem bestimmten Ort im Heiligtum entzündet wird.

Quellen

Azad, Bavê: „Şêx Fexirê Adiyan“ in „Şêx Fexrê Adiyan: Fîlosof û xasê ola Êzdiyatiyê“, Dengê Êzîdiyan, Oldneburg, 2009, S. 288-293.

Baba Şêx, ido: „Şêx Fexir û berdewamiya rola wî li nav Êzdiyatiyê de“ in „Şêx Fexrê Adiyan: Fîlosof û xasê ola Êzdiyatiyê“, Dengê Êzîdiyan, Oldneburg, 2009, S. 164-175.

Bozanî, Xêrî: „Şêx Fexirê Adiyan: Jiyan û berhem“ in „Şêx Fexrê Adiyan: Fîlosof û xasê ola Êzdiyatiyê“, Dengê Êzîdiyan, Oldneburg, 2009, S. 180-203.

Cindi, Rêsan Hesen: „Berhemen Şêx Fexir û Şirovekirinek“ in „Şêx Fexrê Adiyan: Fîlosof û xasê ola Êzdiyatiyê“, Dengê Êzîdiyan, Oldenburg, 2009, S. 230-249.

Elo, Hacî: „Melik Fexreddînê Şemsanî“ in „Şêx Fexrê Adiyan: Fîlosof û xasê ola Êzdiyatiyê“, Dengê Êzîdiyan, Oldneburg, 2009, S. 250-252.

Hecî, Bedel Feqîr: „Bawerî û Mîtologiya Êzidîyan: Çendeha Têkist û Vekolîn“, Duhok, 2002.

Pîr Dîma; L. Îavasko; S. Grîgoriyêv: „Lalişa Nûranî – Peristgeha Êzidiyan“, Basko, 2008.

Sileman, Pîr Xidir: „Êzdî û çanda Kurdî“ in „Şêx Fexrê Adiyan: Fîlosof û xasê ola Êzdiyatiyê“, Dengê Êzîdiyan, Oldneburg, 2009, S. 78-84.

Silo, Se´îd: „Şîret û rasparde di qewlên Şêx Fexrê Adiyan de“ in „Şêx Fexrê Adiyan: Fîlosof û xasê ola Êzdiyatiyê“, Dengê Êzîdiyan, Oldneburg, 2009, S. 220-229.


[1] Vgl. Bozanî 2009, S. 185f; Elo 2009, S. 250.

[2] Vgl. Silêman 2009, S. 82; Ido Baba Şêx 2009, S. 166; Bozanî 2009, S. 185; Silo 2009, S. 221; Cindî 2009, S. 230.

[3] Entnommen von Hecî 2002, S. 157ff. Dieses Qasîd gehört zum „Beyta Şêx û Pîra (Das Beyt der Sheikhs und Pirs; Heci 2002, S. 153-198)“, welcher Hecî erstmals aus der Rezitation von dem bedeutenden Gelehrten Kochek Selman aufgeschrieben hat.

[4] Silêman 2009, S. 82; Bozani 2009, S. 186; Silo 2009, S. 221; Cindî 2009, S. 230.

[5] Bozanî 2009, S. 185; Azad 2009, S. 288.

[6] Pîr Dîma; L. Îavasko; S. Grîgoriyêv 2008, S. 202.

Pîr Kemal

 

Art. Nummer Autor Datum Aktualisierung
261 Dîar Khalaf 11.09.2013:

Pir Kamal (Pîr Kemal) ist eine heilige Persönlichkeit der Eziden und der Patron der Qewals, die die heiligen Texte rezitieren. Über Pîr Kemal existieren kaum historische Angaben. Einig Indizien deuten darauf hin, dass er wahrscheinlich zur Zeit des Heiligen Sheikh Adis, also im 12. Jahrhundert, gelebt haben könnte. Aufgrund mangelnder Quellen kann diese biographische Angabe jedoch nicht belegt werden.

Pîr Kamal in der ezidischen Mythologie

Besonders für die Qewals, die die heiligen Texte rezitieren, ist der Heilige Pîr Kemal bedeutsam. Pîr Kemal wird als „der Herr des Def“ bezeichnet. Das Def ist eines von zwei heiligen Instrumenten der Êzîden, das während einer Qewlrezitation gespielt wird. Bevor die Qewals beginnen das Def zu spielen, rufen sie dreimal „Ya Pîr Kemal! (dt. Oh, Pîr Kemal!)“. Auch nach Beendigung der Qewlrezitation wird derselbe Ausspruch gesprochen.  Ein heiliger Text ist dem Heiligen Pîr Kemal gewidmet:

[toggle_content title=“Qesîda Pîr Kemal“]1. Pîrekî qewîye
Lê cema di bûn welîye
Pîrî Kemal Xasê Şîxadîye

2. Hawa Pîrî Kemale
Xudanê defa şeş male
Sipartîye destê Qewale[/toggle_content]

[toggle_content title=“Das Qasid von Pir Kemal(1)“] 1. Er ist ein bedeutungsvoller Pir,
Die, die bei ihm waren, wurden zu Heiligen,
Pir Kamal ist ein heiliger Anhänger von Sheikh Adi.

2. Es ist das Charisma von Pir Kemal,
Der Herr der Defs von sechs Häusern,
Diese vertraute er den Händen der Qewals an.[/toggle_content]

Zu den Feierlichkeiten im Heiligtum Lalish, setzen sich die Qewals zum „Nîşangeha Pîrê Kemal (dt. Ehrenzeichen von Pir Kemal)“[2]. Er wird auch im „Dua Mezin (dt. Das große Gebet)“ erwähnt.

Quellen

[1] Feqîr Hecî, Bedel: „Bawerî û Mîtologiya Êzidîyan: Çendeha Têkist û Vekolîn“, Duhok, 2002, S. 188.

[2] Pîr Dîma; L. Îavasko; S. Grîgoriyêv: „Lalişa Nûranî – Peristgeha Êzidiyan“, Basko, 2008, S. 26.

Bedel ê Feqîr Hecî Şemo

Art. Nummer Autor Datum
34  Hayrî Demir 22.11.2011

Bedel ê Feqîr Hecî Şemo (Sohn vom bedeutenden Würdenträger Feqîr Hecî) wurde 1966 in Baadre geboren und lebt  derzeit in Deutschland. Bis zu seiner Flucht nach Deutschland im Jahr 1996 lebte er in Laliş und erwarb sein Wissen aus Primärquellen.

Bedel ê Feqîr Hecî

1983 begann er damit, religiöse Texte (Qewl, Beyt usw.) der êzîdischen Religion von Würdenträgern und anderen Personen niederzuschreiben und zu publizieren. Viele dieser Texte stammen von seinem Vater. Seine Sammlung wurde zu Teilen in kurdischen Zeitschriften und Zeitungen in Bagdad und Hewler publiziert.

1991 wurde er Mitglied der Vereinigung der Kurdischen Schriftsteller. 1993 Mitglied und Mitverfasser der Zeitschrift Laliş. Im selben Jahr begann er als Redakteur in der Verwaltung der Zeitschrift „Serhildan“ (dt. „Aufstand“) zu arbeiten.

1996 emigrierte Bedel ê Feqîr Hecî dann nach Deutschland. Hier wurde er dann 1997 Mitglied der Zeitschrift „Dengê Êzîdiyan“, die vom Yezidischen Forum in Oldenburg herausgebracht wird. Im selben Jahr wurde er außerdem Mitglied der Schriftsteller der Zeitschrift „Roj“ (dt. Tag/Sonne).

Bis heute publiziert Bedel ê Feqîr Hecî Artikel, nimmt an Seminaren und Konferenzen teil und arbeitet mit an Büchern über die êzîdische Religion. Er trug mit seinen Arbeiten auch wesentlich zum Archiv von „Bingehê Laliş“, der êzîdischen Hauptorganisation in Duhok, bei.

Veröffentlichungen

Veröffentlichungen mehrerer Bücher und Zeitschriften sowie Mitarbeit an mehreren Büchern.

Bücher von Bedel ê Feqîr Hecî:

2002 – „Diyalok di hizir û edebê Kurdî“ in arabischer Sprache.

2002 – „Bawerî û Mîtologiya Êzidîyan – Çendeha Têkist û Vekolîn“

Quellen

Bedel ê Feqîr Hecî, „Bawerî û Mîtologiya Êzidîyan – Çendeha Têkist û Vekolîn“, Çapxana Hawar – Dihok