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Heraqî

Art. Nr. Autor Datum
102 Hayrî Demir 28.03.2017

Heraqî ist der Namen eines êzîdîschen Stammes, der vor allem in den êzîdîschen Siedlungsräumen im Nordirak verbreitet ist. Hier vor allem im Sheikhan-Gebiet. Anders als viele Stämme leitet sich der Name des Heraqî-Stammes nicht von einem Dorf oder einer Gemeinde ab. Angehörige des Heraqî-Stammes werden als Heraqîs bezeichnet und tragen diesen Namen teilweise auch als Nachnamen.

Verbreitung

Der Heraqî-Stamm ist vergleichsweise weit verbreitetet in den êzîdîschen Gemeinden und Dörfern nahe Sheikhan. Der Stamm siedelt ausschließlich im Sheikhan-Gebiet. Viele der Heraqîs leben heute in dem Dorf Baadrê, wo auch das weltliche Oberhaupt der Êzîden seinen Sitz hat. Weitere Dörfer in denen Heraqîs ehemals bzw. bis heute leben sind: Bêban, Karsav, Bozan, Khorazan, Toftiyan, Nisêriyê, Bashiq und Bahzan[1].

Viele dieser Dörfer waren ehemals ausschließlich von Heraqîs bewohnt. In den vergangenen Jahrzehnten haben sich jedoch weitere Stämme in den Dörfer niedergelassen. Noch bis vor wenigen Jahren lebten Heraqîs auch in der Metropole Mossul. Seit 2003 verlassen vermehrt Angehörige des Heraqî-Stammes wie viele andere Êzîden aufgrund der angespannten Sicherheitssituation den Irak. Eine größere Zahl Heraqîs lebt mittlerweile in Deutschland und in Belgien.

Geschichtliches

Namentlich treten die Heraqîs im 13. Jahrhundert in Erscheinung. Zu dieser Zeit soll das von den Heraqîs bewohnte Gebiet nahe Mosul als Heraqî-Gebiet bezeichnet worden sein[2].

In der êzîdîschen Geschichte spielen Bewohner des Heraqî-Gebietes im Konflikt zwischen dem êzîdîschen Heiligen Sheikh Hasan und dem muslimischen Herrscher von Mossul, Badredin Lulu, eine wichtige Rolle. Die Erzählung ist Teil der mündlichen Überlieferungen der êzîdîschen Religion und wird im „Çiroka Siltan Zeng“ sowie im Mythos der „Sieben Söhne der alten Dame“ erzählt.

Der Erzählung nach flieht Sheikh Hasan nach seiner Gefangenschaft durch Badredin Lulu in das Heraqî-Gebiet nahe Mossul. Dort angekommen erreicht er das Haus einer alten Dame. Die verwitwete Greisin erkennt Sheikh Hasan und ruft ihre sieben Söhne herbei. Sie fordert ihre Söhne auf, Sheikh Hasan bis zum letzten Mann zu verteidigen.

Alle sieben Söhne greifen zum Schwert und umstellen das Haus ihrer Mutter, wo sich Sheikh Hasan versteckt hält. Die ersten herannahenden Soldaten des Badredin Lulus können sie töten. Der Hof des Hauses, so heißt es, sei übersät von Leichen der getöteten Soldaten des Badredin Lulus gewesen. Die Soldaten des muslimischen Herrschers umstellen schließlich das Haus und töten alle sieben Söhne und nehmen Sheikh Hasan gefangen.

Im Andenken an diese sieben Söhne ist im im Heiligtum Lalish ein Ort mit sieben „Çîra“-Lichtern (Docht-Lichter) gewidmet, die seit jeher traditionell jeden Mittwoch und Freitag entzündet werden[3].

Zugehörigkeit

Die Heraqîs gehören zur Gruppe der Mirîds. Die Sheikh-Gruppe der Shams ist für den Heraqî-Stamm verantwortlich. Die Pîrê der Heraqîs sind Pîre aus der Pîr Afat-Gruppe.

Literaturverzeichnis

  1. Edmonds, Cecil John: „A pilgrimage to Lalish“, Royal Asiatic Society of Great Britain and Ireland; Luzac, 1967.
  2. Kreyenbroek, Philip G./Rashow, Khalil Jindy: „God and Sheikh Adi are perfect: Sacred Poems and Religious Narratives from the Yezidi Tradition“, Wiesbaden 2005
  3. Pîr Dîma/L. Îavasko/S. Grîgoriyêv: „Lalişa Nûranî – Peristgeha Êzidiyan“, Jekaterinburg, 2008.

_________________
[1] Edmonds 1967, S. 81 ff.
[2] Kreyenbroek/Rashow 2005, S. 116 ff.
[3] Pîr Dîma/L. Îavasko/S. Grîgoriyêv 2008, S. 83

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Kefnasî

 

Art. Nr. Autor Datum
124 Hayrî Demir 06.03.2016

Kefnasî ist der Name êzîdîscher Bewohner des Dorfes Kefnas im kurdischen Südosten der Türkei. Das Dorf liegt in der Provinz Mardin, unweit der Stadt Midyat und trägt die türkische Bezeichnung Çayırlı bzw. Cayirliköyü. 

Die Kefnasî gehören der Gruppe der Mirîden an und sind sog. Çêlka-Êzîden. Die Kefnasî sollen ursprünglich, wie auch die Denwanî, dem êzîdîschen Stamm der Elîreşan angehört haben und sich später im zunächst christlichen Dorf Kefnas angesiedelt haben.

Das Dorf liegt wenige Kilometer nördlich des ebenfalls êzîdîschen Dorfes Dênwan. Aufgrund der geographischen Lage des Dorfes am Tur Abdin-Gebirge werden die Kefnasî auch Torîs genannt.

Lage des Dorfes Kefnas

Lage des Dorfes Kefnas

Bis zur Fluchtwelle Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre lebten rund 120 Familien in Kefnas1. Mehrfach setzten türkische Soldaten im Verlauf des Krieges mit der kurdischen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) das Dorf Kefnas und Umgebung in Brand. Der frühere nordrhein-westfälischen Innenminister Dr. Herbert Schnoor besuchte das Dorf am 4. Mai 1989 und berichtet unter anderem von Morden an 40 Lehrern. In der Dorfschule wurden schließlich türkische Soldaten untergebracht.

Dr. Schnoor berichtete, dass das Dorf zwar über Strom nicht aber über eine Wasserleitung verfügte. „Insgesamt schien das Dorf kurz vor dem Zerfall zu stehen“, schrieb Dr. Schnoor weiter. Am 4. Mai 1989 lebten noch 73 Menschen im Dorf. Drangsaliert wurden die Dorfbewohner auch von mächtigen Großgrundbesitzern der Region, sog. Akhas, die teilweise über ihre eigenen Milizen verfügten.

Die Kefnasî leben heute alle in Deutschland. Vereinzelte Rückkehrversuche älterer Kefnasî scheiterten zunächst an Übergriffen und Gewaltandrohungen seitens muslimischer Dorfbewohner der Region. Einige wenige Kefnasî aus Deutschland kehren aber in den Sommermonaten in das Dorf zurück und verbringen den Sommer dort.

1OVG Nordrhein-Westfalen · Urteil vom 22. Januar 2001 · Az. 8 A 792/96.A

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Eliya

 

Art. Nummer Autor Datum Aktualisierung
81 Hayrî Demir 15.11.2013

Eliya ist der Name eines êzîdîschen Stammes, der einer größeren Konföderation von Stämmen angehört. Die Eliya Angehörigen leben in Südkurdistan, in der Nähe der Stadt Mosul. Eine frühere Verbindung zum kurdischen Zaza-Stamm der Elia[1] ist nicht ausgeschlossen.


[1] Sykes, Mark; The Kurdish Tribes of the Ottoman Empire, in: The Journal of the Royal Anthropological Institute of Great Britain and Ireland, Vol. 38

Mûsanî

Art. Nummer Autor Datum
14  Hayrî Demir 25.07.2011

Mûsanî ist der Name eines êzîdîschen Stammes. Die Mûsanî gehören zur Xorkan Konföderation. Sie leben in Şingal.

Quelle

Baran Ruciyar, „Stämme : Ezidische Stämmen in Shengal und Shêxal“, http://www.kurdica.com/modules.php?name=News&file=article&sid=375, 18.07.11

Qîranî

Art. Nummer Autor Datum
181  Hayrî Demir 14.10.2012

Qîranî ist der Name eines êzîdîschen Stammes, der zur Xorkan Konföderation gehört. Der Stamm ist in Shingal beheimatet.

Quelle

Baran Ruciyar, „Stämme : Ezidische Stämmen in Shengal und Shêxal“, http://www.kurdica.com/modules.php?name=News&file=article&sid=375, 18.07.11

Qîçkan

Art. Nummer Autor Datum
180  Hayrî Demir 14.10.2012

Qîçkan ist der Name eines êzîdîschen Stammes, der zur Xorkan Konföderation gehört. Der Stamm ist in Shingal beheimatet.

Quelle

Baran Ruciyar, „Stämme : Ezidische Stämmen in Shengal und Shêxal“, http://www.kurdica.com/modules.php?name=News&file=article&sid=375, 18.07.11

Mendikan

Art. Nummer Autor Datum
146  Hayrî Demir 14.10.2012

Mendikan ist der Name eines êzîdîschen Stammes, der zur Xorkan Konföderation gehört. Der Stamm ist in Shingal beheimatet.

Quelle

Baran Ruciyar, „Stämme : Ezidische Stämmen in Shengal und Shêxal“, http://www.kurdica.com/modules.php?name=News&file=article&sid=375, 18.07.11

Mehirkan

Art. Nummer Autor Datum
136  Hayrî Demir 14.09.2011

Mehirkan ist der Name eines êzîdîschen Stammes, der zur Xorkan Konföderation gehört. Der Stamm ist in Shingal beheimatet.

Quelle

Baran Ruciyar, „Stämme : Ezidische Stämmen in Shengal und Shêxal“, http://www.kurdica.com/modules.php?name=News&file=article&sid=375, 18.07.11

Mala Bakê

Art. Nummer Autor Datum
131  Hayrî Demir 09.09.2011

Mala Bakê (kurd. „mal“ für Haus) ist der Name eines êzîdîschen Stammes (Clans), der zur Xorkan Konföderation gehört. Der Stamm (Clan) ist in Shingal beheimatet.

Quelle

Baran Ruciyar, „Stämme : Ezidische Stämmen in Shengal und Shêxal“, http://www.kurdica.com/modules.php?name=News&file=article&sid=375, 18.07.11

Kurkurka/Korkorka

Art. Nummer Autor Datum
130  Hayrî Demir 04.09.2011

Kurkurka bzw. Korkorka ist der Name eines êzîdîschen Stammes, der zur Xorkan Konföderation gehört. Der Stamm ist in Shingal beheimatet.

Quelle

Baran Ruciyar, „Stämme : Ezidische Stämmen in Shengal und Shêxal“, http://www.kurdica.com/modules.php?name=News&file=article&sid=375, 18.07.11