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Kaniya Sipî – Die weiße Quelle

Art. Nr. Autor Datum
121 Hayrî Demir 22.04.2017
Name

Der Begriff „Kaniya Sipî“ bedeutet „weiße Quelle“ oder auch „reine Quelle“ und ist eine im Êzîdentum heilige Wasserquelle.  Der Name wurde der Quelle aufgrund ihrer mythologischen Bedeutung im êzîdîschen Schöpfungsmythos verliehen. In der êzîdîschen Farbenlehre steht der Begriff „Sipî“ neben seiner wörtlichen Definition von „Weiß“ auch für Reinheit und Sauberkeit.

Tempeldienerin vor dem Kaniya Sipî in Lalish

Quelle

Die weiße Quelle entspringt im Lalish-Tal im sogenannten Hügel von Mishete. Von dort fließt sie Mitten in den Lalish-Tempelkomplex.

Mythologische Bedeutung

In den êzîdîschen Überlieferungen nimmt die weiße Quelle eine herausragende Bedeutung ein. So wird die weiße Quelle sowohl im Glaubensbekenntnis der Êzîden als auch in zahlreichen Gebeten erwähnt. Wasser ist in der êzîdîschen Lehre eine der vier heiligen Grundelemente, aus denen die Welt erschaffen wurde[1]. Kaniya Sipî gilt als Urquelle und ist wesentlicher Bestandteil des êzîdîschen Schöpfungsmythos.

Darin heißt es, dass die Erde zunächst nur aus einem unendlichen, tiefen und dunklen Meer bestand. Das Wasser des Meeres entsprang aus der Ur-Perle, die explodierte und aus ihr die feste Materie entstand[2]. Ezda (Gott) beauftragte die Engel, die Schöpfung der Erde zu vollenden. Als die Engel in allen vier Himmelsrichtungen auf dem Meer umherwanderten, blieben sie an einer Stelle stehen und warfen die „Hefe“ (siehe Schöpfungsmythos) ins Meer. An dieser Stelle entsprang die weiße Quelle „Kaniya Sipî“, aus deren Reinheit die „sieben Himmel“ erschaffen und Himmel und Erde getrennt wurden. Nach vierzig Jahren wurde der erste feste Ort der Welt an der weißen Quelle, das Lalish-Tal, herabgesandt.

Die weiße Quelle bildet so in der êzîdîschen Religionslehre mit dem Lalish-Tal den „Nabel der Welt“, das Zentrum der Erdschöpfung und gilt als reiner Ort. Auch der im êzîdîschen Schöpfungsmythos erwähnte Weltenbaum (Dara Herherê) steht auf dem Kaniya Sipî.

Im Glaubensbekenntnis der Êzîden wird die weiße Quelle als Siegel („Mor“) bezeichnet[3].

Mor Kirin – Besiegeln

Junger Êzîde bei der Besiegelung

Alle Êzîden sollen bei Möglichkeit einmal in ihrem Leben mit dem Wasser des Kaniya Sipî gesegnet und ihre Zugehörigkeit zur êzîdîschen Religion besiegelt werden. Êzîden, die in der Nähe des Lalish-Tales leben, bringen ihre Kinder wenige Monate nach der Geburt zur Besiegelung.

Dieser taufähnliche Vorgang wird als „mor kirin“ bezeichnet, was „besiegeln“ bedeutet. Das Wasser des Kaniya Sipî wird dazu von einer bestimmten Tempeldienerin im Tempel des Kaniya Sipî über den Kopf geträufelt, währenddessen sie ein Gebet spricht. Nach dem Gebet wird ein kleiner Schluck der weißen Quelle getrunken. Der Vorgang dauert in der Regel nur wenige Sekunden. Die Besiegelung von Kleinkindern wird in der Regel groß zelebriert, wofür Verwandte und Bekannte gemeinsam der Besiegelung beiwohnen und anschließend zusammen feiern.

Die Taufe wird für Frauen und Männer separat vorgenommen, da das gemeinsame Betreten der Quelle als symbolischer Akt der Vereinigung verstanden wird, wonach Mann und Frau wie Geschwister zu behandeln sind. Daher werden verheiratete Paare stets separat von der Tempeldienerin gesegnet. Anders ist dies, wenn etwa das gemeinsame Kind besiegelt wird. Dann dürfen sowohl Vater als auch Mutter anwesend sein.

Auch die bedeutungsvollen „Berat“, kleine aus dem Kalk des Lalish-Tempel hergestellte Kugeln, müssen mit dem Wasser des Kaniya Sipî geformt und gesegnet werden, ehe sie an die Êzîden verteilt werden. Sowohl die Herstellung als auch die Besiegelung der Berat-Kugeln ist den Tempeldienerinnen in Lalish vorbehalten.

Dayê Esmer

Micêwira Kaniya Sipî

Das Besiegeln mit dem Wasser des Kaniya Sipî ist nur der sogenannten „Dienerin der weißen Quelle“ (Micêwira Kaniya Sipî) vorbehalten. Nur wenn sie die Tauf-Zeremonie durchführt, hat das Siegel nach êzîdîscher Tradition Gültigkeit. Die derzeitige Micewir der weißen Quelle ist Dayê Esmer.

Quba Kaniya Sipî – Tempel der weißen Quelle

Über der Quelle des Kaniya Sipî ist im Lalish-Komplex eine Kuppe („Qub) gebaut. Unter dieser Kuppe wird die Besiegelung vorgenommen. Seitlich der Kuppe verlaufen zwei Ausläufe der weißen Quelle, wodurch es den Besuchern ermöglicht wird, Wasser der heiligen Quelle abzufüllen und mitzunehmen. Zum Neujahr segnen die Êzîden damit ihr Brot, was sie anschließend an ihre Nachbarn verteilen. Auch hier sind beide Ausläufe aufgrund der Symbolik der weißen Quelle voneinander getrennt. Der linke Auslauf wird als „Kaniya kecikan“ (Quelle der Mädchen) bezeichnet, der rechte als „Kaniya kurikan“ (Quelle der Jungen).

Kuppe und Eingang zum Tempel der weißen Quelle

Vor dem Tempel der weißen Quelle wird jährlich ein Tanz aufgeführt, der „Dîlana derê Kaniya Sipî“ genannt wird. Dabei versammeln sich Pilger und Würdenträger vor der Kuppel und führen einen Tanz auf, während die heiligen Instrumente „Def û Şîbab“ gespielt werden. In zahlreichen weiteren religiösen Zeremonien und Feiern ist das Wasser der weißen Quelle zentraler Bestandteil.

Junger Êzîdî schöpft Wasser aus der weißen Quelle zur Säuberung des Hofes des Lalish-Tempels

Da das Wasser des Kaniya Sipî als heilig gilt, sind etwaige körperliche Waschungen und ähnliches strengstens untersagt. Hierfür existieren in Lalish spezielle weitere Quellen, die zu dieser Nutzung vorgesehen sind. Der Hof des Lalish-Tempels wird mit dem Wasser der heiligen Quelle gereinigt.

Quellen 

[1] Feqîr Hecî, Bedel: „Bawerî û Mîtologiya Êzidîyan: Çendeha Têkist û Vekolîn“, Duhok, 2002, S. 188.

[2] Pîr Dîma; L. Îavasko; S. Grîgoriyêv: „Lalişa Nûranî – Peristgeha Êzidiyan“, Basko, 2008, S. 26.

Einzelnachweise
[1] Siehe „Qewlê afirandina dinyayê“
[2] Siehe „Qewlê zebûnî meksûr“
[3] „Şahda Dînî”

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Heraqî

Art. Nr. Autor Datum
102 Hayrî Demir 28.03.2017

Heraqî ist der Namen eines êzîdîschen Stammes, der vor allem in den êzîdîschen Siedlungsräumen im Nordirak verbreitet ist. Hier vor allem im Sheikhan-Gebiet. Anders als viele Stämme leitet sich der Name des Heraqî-Stammes nicht von einem Dorf oder einer Gemeinde ab. Angehörige des Heraqî-Stammes werden als Heraqîs bezeichnet und tragen diesen Namen teilweise auch als Nachnamen.

Verbreitung

Der Heraqî-Stamm ist vergleichsweise weit verbreitetet in den êzîdîschen Gemeinden und Dörfern nahe Sheikhan. Der Stamm siedelt ausschließlich im Sheikhan-Gebiet. Viele der Heraqîs leben heute in dem Dorf Baadrê, wo auch das weltliche Oberhaupt der Êzîden seinen Sitz hat. Weitere Dörfer in denen Heraqîs ehemals bzw. bis heute leben sind: Bêban, Karsav, Bozan, Khorazan, Toftiyan, Nisêriyê, Bashiq und Bahzan[1].

Viele dieser Dörfer waren ehemals ausschließlich von Heraqîs bewohnt. In den vergangenen Jahrzehnten haben sich jedoch weitere Stämme in den Dörfer niedergelassen. Noch bis vor wenigen Jahren lebten Heraqîs auch in der Metropole Mossul. Seit 2003 verlassen vermehrt Angehörige des Heraqî-Stammes wie viele andere Êzîden aufgrund der angespannten Sicherheitssituation den Irak. Eine größere Zahl Heraqîs lebt mittlerweile in Deutschland und in Belgien.

Geschichtliches

Namentlich treten die Heraqîs im 13. Jahrhundert in Erscheinung. Zu dieser Zeit soll das von den Heraqîs bewohnte Gebiet nahe Mosul als Heraqî-Gebiet bezeichnet worden sein[2].

In der êzîdîschen Geschichte spielen Bewohner des Heraqî-Gebietes im Konflikt zwischen dem êzîdîschen Heiligen Sheikh Hasan und dem muslimischen Herrscher von Mossul, Badredin Lulu, eine wichtige Rolle. Die Erzählung ist Teil der mündlichen Überlieferungen der êzîdîschen Religion und wird im „Çiroka Siltan Zeng“ sowie im Mythos der „Sieben Söhne der alten Dame“ erzählt.

Der Erzählung nach flieht Sheikh Hasan nach seiner Gefangenschaft durch Badredin Lulu in das Heraqî-Gebiet nahe Mossul. Dort angekommen erreicht er das Haus einer alten Dame. Die verwitwete Greisin erkennt Sheikh Hasan und ruft ihre sieben Söhne herbei. Sie fordert ihre Söhne auf, Sheikh Hasan bis zum letzten Mann zu verteidigen.

Alle sieben Söhne greifen zum Schwert und umstellen das Haus ihrer Mutter, wo sich Sheikh Hasan versteckt hält. Die ersten herannahenden Soldaten des Badredin Lulus können sie töten. Der Hof des Hauses, so heißt es, sei übersät von Leichen der getöteten Soldaten des Badredin Lulus gewesen. Die Soldaten des muslimischen Herrschers umstellen schließlich das Haus und töten alle sieben Söhne und nehmen Sheikh Hasan gefangen.

Im Andenken an diese sieben Söhne ist im im Heiligtum Lalish ein Ort mit sieben „Çîra“-Lichtern (Docht-Lichter) gewidmet, die seit jeher traditionell jeden Mittwoch und Freitag entzündet werden[3].

Zugehörigkeit

Die Heraqîs gehören zur Gruppe der Mirîds. Die Sheikh-Gruppe der Shams ist für den Heraqî-Stamm verantwortlich. Die Pîrê der Heraqîs sind Pîre aus der Pîr Afat-Gruppe.

Literaturverzeichnis

  1. Edmonds, Cecil John: „A pilgrimage to Lalish“, Royal Asiatic Society of Great Britain and Ireland; Luzac, 1967.
  2. Kreyenbroek, Philip G./Rashow, Khalil Jindy: „God and Sheikh Adi are perfect: Sacred Poems and Religious Narratives from the Yezidi Tradition“, Wiesbaden 2005
  3. Pîr Dîma/L. Îavasko/S. Grîgoriyêv: „Lalişa Nûranî – Peristgeha Êzidiyan“, Jekaterinburg, 2008.

_________________
[1] Edmonds 1967, S. 81 ff.
[2] Kreyenbroek/Rashow 2005, S. 116 ff.
[3] Pîr Dîma/L. Îavasko/S. Grîgoriyêv 2008, S. 83

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Kirasguhertin

Art. Nr. Autor Datum
92 Hayrî Demir 28.11.2016

Das sogenannte „kirasguhertin“ ist ein zentraler Begriff der êzîdîschen Mythologie über den Werdegang des Körper und der Seele nach dem Ableben eines Menschen. Der Begriff setzt sich aus den Wörtern „kiras“ für Kleid und „guhertin“ für Wechsel zusammen und beschreibt den Übergang der Seele in das Unendliche, während der Körper zu seinem Ursprung, der Erde, zurückkehrt und stirbt. Der Oberbegriff innerhalb der êzîdîschen Lehre ist die Vorstellung vom Dahir und Batin.

Leib-Seele-Theorie

Der französische Philosoph René Descartes prägte die Leib-Seele-Theorie, die, mit wenigen Abstrichen, mit der Vorstellung der êzîdîschen Lehre übereinstimmt. Demnach stehen Körper als materielles Sein und Seele als immaterielles Sein in Wechselwirkung zueinander. Diese Dualität wird bereits im Schöpfungsmythos der Êzîden dahingehend beschrieben, als dass der Körper aus den materiellen – und somit vergänglichen –  Elementen der Erde geschaffen wurde, während die Seele aus dem sogenannten „havêna sunetê“, der Hefe der Erkenntnis oder auch Saatgut der Engel genannt, erschaffen wurde. Die Wechselwirkung zwischen den körperlichen und den geistigen Trieben findet nach êzîdîscher Vorstellung im Verstand, also im Gehirn, statt. Dort trifft ein Mensch dann auch seine Entscheidungen, für die er selbst verantwortlich ist.

Die unsterbliche Seele

Die Seele ist anders als der Körper unsterblich. Folglich endet die Existenz der Seele nicht mit dem Tod eines Menschen. Nach êzîdîscher Religionslehre findet ein „Kleiderwechsel“ (kirasguthertin) statt, indem die Seele sich vom Körper trennt und in das immaterielle Dasein (Batin) übergeht. Es kann dann zu einer Seelenwanderung kommen, indem die Seele in einem anderen Körper wiedergeboren wird, was jedoch nicht der Regelfall ist.

Vielmehr wird nur jene Seele wiedergeboren, die sich während ihres Daseins auf der Erde nicht mit schlechten Taten befleckt hat. Das sind nach êzîdîscher Vorstellung vor allem die Seelen frommer Menschen, die sich dem Materiellen entsagt haben.

Der Kleiderwechsel

Entsprechend kann es daher zu einer Reinkarnation kommen. Die als rein geltende Seele wird in dem Körper eines frommen Menschen wiedergeboren. So wird etwa Sheikh Adi, der bedeutendste Heilige der Êzîden, als die Reinkarnation des Tawisî Meleks bezeichnet.

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Hussein Dumbeli

Art. Nr. Autor Datum
126 Diar Khalaf 03.09.2016

Hussein Dumbeli war ein êzîdisches Oberhaupt und lebte im 18./19. Jahrhundert. In einem Bericht über ihn wird er Hussein Dumbalan genannt und Dumbalan fälschlicherweise als der Name seines Vaters angegeben. Vielmehr ist „Dumbalan“ eine Verballhornung von Dumbeli/Dumbeliyan, der Name eines alten êzîdischen Stammes der in Schingal und Sheikhan verbreitet ist. Unter den Êzîden ist er daher als Hussein Dumbeli bekannt.

Als Oberhaupt von Schingal

Im frühen 19. Jahrhundert war Hussein Dumbeli das einflussreichste Oberhaupt von Schingal. Er kontrollierte die Wege der Karawanen, die nur mit seine Zustimmung und gegen eine Bezahlung passieren durften. Der muslimische Reisende Mirza Abu Talib Chan (1752 – 1806), der 1802 Schingal besuchte, schrieb: „Ihr [Êzîden in Schingal] Oberhaupt heißt Hussein, und hatte im Laufe dieses Jahres nur eine einzige Karavane geplündert, welche ihm seinen Tribut zu schicken unterlassen und die Wüste, ohne ihn zu benachrichtigen, zu passiren gesucht hatte.“ (Mohr und Zimmer 1812: S. 249).

Chan erwähnt weiter, dass die Êzîden anfingen auch in den benachbarten Gebieten Räubereien zu begehen. Ein Jahr später startete Ali Pascha, der Gouverneur von Bagdad einen großen Angriff auf Schingal und zerstörte mehrere Dörfer. 1809 kam es zu einem erneuten Angriff durch den neuen Gouverneur Suleiman Pascha. Trotz den Angriffen und Verlusten weigerte Hussein Dumbeli sich dem Gouverneur zu unterstellen. Er bezahlte den arabischen Stamm der Tay, die von den Osmanen ausgerüstet wurde um die Karawanen in Schingal vor den Êzîden zu schützen, jährlich eine hohe Summe um die Kontrolle über die Karawanenwege zu behalten und den Tay-Stamm vor den Ackerländern der Êzîden fernzuhalten. Der letzte Bericht über ihn stammt von 1818, wann er starb ist nicht bekannt.

Die Schlacht am Wadi Khanzir

Êzîdischen Überlieferungen zufolge soll bei Wadi Khanzir, einem Nebenfluss von Chabur, eine Schlacht zwischen Êzîden unter der Führung von Hussein Dumbeli und dem kurdischen Stamm Miran und ihren verbündeten arabischen Stämme stattgefunden haben.

Der êzîdische Gelehrte Mir Ismail Chol Beg (1888 – 1933) schilderte die Schlacht in seinem 1934 erschienen Buch: So soll sich der kurdische Stamm der Miran unter ihrem Oberhaupt Badir Agha gemeinsam mit Arabern aus Zakho, insgesamt ungefähr 2000, Schingal genährt haben und vor allem darauf abzielte, êzîdische Frauen zu verschleppen. Hussein Dumbeli rief die êzîdischen Oberhäupter zusammen und stellte eine etwa 2000 Mann starke Truppe auf. In der Nacht griffen die Êzîden ihr Lager an, die muslimischen Kämpfer konnten den Überraschungsangriff nicht standhalten und wurden vernichtend geschlagen. Sie ergriffen die Flucht und über eintausend von ihnen wurden getötet. Die Êzîden hatten keine großen Verluste. Während den Kämpfen wurde der Bruder von Hussein Dumbeli getötet (Bois 1945: S. 3).

Literaturverzeichnis

Bois, Th. [Thomas] (1945): Le Djebel Sindjar au début du XIXe siécle, in: Roja Nu, 56. Ausgabe, S. 3, Beirut.

Campanile, P. M. Giuseppe (1818): Storia della regione del Kurdistan e delle sette di religione ivi esistenti, Naples.

Lescot, Roger (1938): Enquête sur les Yezidis de Syrie et du Djebel Sindjar, Beirut.

Mohr und Zimmer (1812): Reise des Mirza Abu Taleb Khan durch Asien, Afrika und Europa in den Jahren 1799, 1800, 1801, 1802 und 1803: Nebst einer Widerlegung der Begriffe, welche man in Europa von der Freyheit der Asiatischen Weiber hat, Heidelberg.

Badir Kebanek

Art. Nr. Autor Datum
125 Diar Khalaf 01.09.2016

Badir Kebanek war ein êzîdisches Oberhaupt, das im 13./14. Jahrhundert lebte. Die einzige schriftliche Quelle über ihn ist das Werk „Masālik al-abṣār fī mamālik al-amṣār“ (1338) von dem arabischen Historiker Ibn Fadlallah al-Umari (1300 – 1349).

Leben

Badir Kebanek lebte im heutigen Sheikhan und war der Stammesführer eines großen Stammes, dessen Angehörige von Ibn Fadlallah als „gut bewaffnet und mutig“ beschrieben werden. Sein Vater hieß Kebanek. Er hatte eine Frau und mehrere Kinder. Die dortigen êzîdischen Stämme wurden von ihren Nachbarn mit dem Kollektivnamen Dasini bezeichnet, so auch von Ibn Fadlallah; der Name seines Stammes ist daher nicht bekannt, er wird aber als ein Zweig des einst großen êzîdischen Stammes der Bokhtis angegeben. Die Größe und Stärke des Stammes änderte sich, als Badir Kebanek beschloss, sich mit seiner Familie und seinem Stamm an einem schwer zugänglichen Ort zurückzuziehen. Der Stamm wurde unorganisiert, zersplitterte und teilte sich auf. In Mosul lebten 1000 männliche Stammesangehörige unter ihrem Oberhaupt Aladin Kurek. Etwa 500 weitere Männer in Akrê unter ihren Oberhäuptern Abu Ali und Musa Bahadin.

Quelle:

al-ʿUmarī, Ibn Faḍlallāh Shihāb al-Dīn: Masālik al-abṣār (1338), ins Französische übersetzt von Quatremère, Étienne Marc: Notice de l’ouvrage qui a pour titre: Mesalek alabsar fi memalek alamsar, in: Notices et extraits des manuscrits de la Bibliothèque impériale et autres bibliothèques, 1838, Band 13, Teil 1, S. 151 – 384.

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Die Schlacht von Mihirkan (1846)

Art. Nr. Autor Datum
124 Diar Khalaf 10.04.2016

Als „die Schlacht von Mihirkan“ wird die dreitätige kriegerische Auseinandersetzung zwischen Êzîden und osmanischen Truppen bezeichnet, die vom 14. Oktober 1846 bis zum 17. Oktober 1846 in und um das êzîdîsche Dorf Mihirkan stattfand. Der britische Archäologe Austen Henry Layard war Augenzeuge und veröffentlichte erste Aufzeichnungen der Schlacht.

Karte der Region Shingal

Karte der Region Shingal

Vorgeschichte

Der Gouverneur von Mosul, Tayyar Pascha, plante eine Expedition in das Schingalgebirge um die fälligen Steuern der Êzîden einzutreiben und sich einen Überblicke der dortige Lage zu verschaffen. Der britische Archäologe Austen Henry Layard, der mehr über die Êzîden im Schingal erfahren wollte, nutzte diese Möglichkeit und schloss sich der Expedition an.

Zuvor wurde von den Êzîden aus Schingal eine Petition an Tayyar Pascha überreicht, in der sie ihn darum baten die fällige Steuer zu verringern. Der vorherige Gouverneur führte einen regelrechten Kriegszug gegen die Êzîden und verwüstete Schingal so sehr, dass die Êzîden einer Begleichung der Steuern nicht mehr nachkommen konnten.

Mit regulären und irregulären Truppen brach Tayyar Pascha am 8. Oktober 1846 von Mosul auf und erreichte Mihirkan am 14. Oktober 1846. Bereits 1793 griff Mohammed Pascha, der damalige Gouverneur von Mosul, Mihirkan an und ließ eine Vielzahl von Êzîden hinrichten. Ein größerer Angriff folgte im Jahr 1809, bei dem ein Massaker an den Dorfbewohnern von Mihirkan verübt wurde. Die Dorfbewohner waren daher gegenüber Tayyar Pascha sehr misstrauisch, lehnten alle seine Verhandlungsversuche ab und erklärten, dass sie ihr Dorf unter allen Umständen verteidigen werden.

Tayyar Pascha entsandte einen Offizier mit irregulären Truppen, die Layard begleitete und die die Êzîden beruhigen sollten. Der Aufmarsch der Truppen löste jedoch einen Angriff seitens der Êzîden aus, in deren Folge sie zwei Soldaten Tayyar Paschas töteten. Das Oberhaupt und der Kommandeur der Êzîden war zu dieser Zeit Isa Agha.

Ausrüstung und Stärke

Im Vergleich zu den Êzîden waren die osmanischen Truppen umfangreich und schwer ausgerüstet, Layard beschrieb ihre Ausrüstung kurz: „Zuerst kam ein Regiment Infanterie, ihm folgte eine Kompanie Artilleristen mit ihren Kanonen.“ (Layard 1853: S. 165).

Die Êzîden verfügten nur über leichte Waffen wie einfache Gewehre, Pistolen und Schwerter. Layard beschrieb die Bewaffnung êzîdischer Männer im Schingal folgendermaßen:

„Ihre langen Flinten legen sie selten aus den Händen, und in ihrem Gürtel tragen sie Pistolen, an der Seite ein Schwert und auf der Brust eine Reihe Patronen, die in der Regel von abgeschnittenen Rohrstücken gemacht sind.“ (Layard 1856: S. 190f.).

Schlachtverlauf

Nachdem zwei seiner Soldaten getötet wurden, befahl Tayyar Pascha erbost zum Angriff. Die Dorfbewohner wurde aber bereits durch eine enge Schlucht in den zahlreichen Höhlen des Gebirges evakuiert. Die Soldaten begannen damit, die Häuser zu plündern und niederzubrennen. Alte Frauen und Greise, die für eine Flucht zu schwach waren, wurde von den Soldaten getötet und enthauptet. Die abgetrennten Köpfe wurden später am Abend von den osmanischen Soldaten als Trophäen getragen, für die sie eine Belohnung vom Pascha forderten.

Nachdem die Soldaten die Häuser der Êzîden brandschatzten, marschierten sie zu der Schlucht, durch die die Êzîden flüchteten. Die Êzîden versteckten sich im unwegsamen Gebirge. Die osmanischen Truppen belagert sie anschließend. Entgegen ihrer Erwartung verteidigten sich die Êzîden und behielten in den Kämpfen, die bis in Nacht anhielten, die Oberhand.

Vom 6. Oktober bis zum 13. Oktober fand eines der größten und bedeutendsten êzîdîsche Feste statt, zu dem sich Êzîden aus allen verschiedenen Siedlungsgebiete in Lalisch versammeln. Allein am ersten Tage des Festes, in der Layard anwesend war, schätze er die Zahl der Männer (von den Kindern und Frauen abgesehen) in Lalisch auf 7000. Die umliegenden Dörfer von Mihirkan haben vermutlich ebenfalls am Fest teilgenommen, sodass die Dorfbewohner von Mihirkan auf keine Unterstützung hoffen konnten.

Am nächsten Morgen der Schlacht, dem 15. Oktober 1846, griffen die osmanischen Soldaten erneut an. Auch an diesem Tag mussten sich die Truppen des Paschas geschlagen aus der Schlucht zurückziehen.

Am darauffolgenden Tag scheiterte ein erneuter Angriff und die osmanischen Soldaten zogen sich wiederholt mit großen Verlusten zurück.  Während dem gesamten Kampf kam kein einziger Êzîde zu Tode. Erneut versucht Tayyar Pascha mit den Êzîden zu verhandeln und zunächst schien es so, dass die Êzîden bereit waren sich zu ergeben. Alle bekannten Zugänge zu der Schlucht wurden von den osmanischen Soldaten belagert.

Tayyar Pascha befahl Tags darauf einen weiteren Angriff. Die osmanischen Soldaten konnten ohne Gegenwehr in die Höhlen stürmen und mussten feststellen, dass die Êzîden in der Nacht durch einen nur ihnen bekannten Pfad fliehen konnten. In den Höhlen fanden die Soldaten aus Stöcken und Feigen hergestellten Menschen- und Tierfiguren. Die Figuren wurden für religiöse Symbole der Êzîden gehalten und nach Istanbul geschickt.

Tayyar verblieb eine weitere Zeit in Mihirkan, begab sich aber dann vermutlich zurück nach Mosul ohne die anderen Dörfer besichtigt zu haben.

Nach der Schlacht

Drei Jahre nach der Schlacht, im Jahr 1849, suchte Layard das Dorf Mihirkan auf. Das Dorf war teilweise wieder aufgebaut und teils immer noch zerstört. Die Bewohner Mihirkan lehnten sich noch immer gegen den Gouverneur auf und weigerten sich, die Steuern zu zahlen..

Unter Layards Begleitern war ein junger Êzîde, der in der Schlacht mitkämpfte: „Sein Vater, erzählte er, gab ihm ein Gewehr in die Hand, zeigte auf einen Soldaten, der die Felsen zu erklimmen suchte, und rief aus: ,Jetzt zeige ob du ein Mann und meiner werth bist. Erschiesse diesen Feind unseres Glaubens, oder ich erschiesse dich!ʻ Er feuerte, und getroffen rollte jener in die Schlucht hinab.“ (Layard 1856: S. 190).

Literaturverzeichnis

Lescot, Roger (1938): Enquête sur les Yezidis de Syrie et du Djebel Sindjar, Beirut.

Layard, Austen Henry (1849): Nineveh and its Remains, Vol. 1, London. Eine deutsche Übersetzung des Werkes: Meissner, Nicolaus Napoleon Wilhelm (1850): Niniveh und seine Überreste, Leipzig.

Layard, Austen Henry (1853): Discoveries among the ruins of Nineveh and Babylon, Newo York. Eine deutsche Übersetzung des Werkes: Zenker, J. Th. (1856): Nineveh und Babylon, Leipzig.

 

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Kefnasî

 

Art. Nr. Autor Datum
124 Hayrî Demir 06.03.2016

Kefnasî ist der Name êzîdîscher Bewohner des Dorfes Kefnas im kurdischen Südosten der Türkei. Das Dorf liegt in der Provinz Mardin, unweit der Stadt Midyat und trägt die türkische Bezeichnung Çayırlı bzw. Cayirliköyü. 

Die Kefnasî gehören der Gruppe der Mirîden an und sind sog. Çêlka-Êzîden. Die Kefnasî sollen ursprünglich, wie auch die Denwanî, dem êzîdîschen Stamm der Elîreşan angehört haben und sich später im zunächst christlichen Dorf Kefnas angesiedelt haben.

Das Dorf liegt wenige Kilometer nördlich des ebenfalls êzîdîschen Dorfes Dênwan. Aufgrund der geographischen Lage des Dorfes am Tur Abdin-Gebirge werden die Kefnasî auch Torîs genannt.

Lage des Dorfes Kefnas

Lage des Dorfes Kefnas

Bis zur Fluchtwelle Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre lebten rund 120 Familien in Kefnas1. Mehrfach setzten türkische Soldaten im Verlauf des Krieges mit der kurdischen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) das Dorf Kefnas und Umgebung in Brand. Der frühere nordrhein-westfälischen Innenminister Dr. Herbert Schnoor besuchte das Dorf am 4. Mai 1989 und berichtet unter anderem von Morden an 40 Lehrern. In der Dorfschule wurden schließlich türkische Soldaten untergebracht.

Dr. Schnoor berichtete, dass das Dorf zwar über Strom nicht aber über eine Wasserleitung verfügte. „Insgesamt schien das Dorf kurz vor dem Zerfall zu stehen“, schrieb Dr. Schnoor weiter. Am 4. Mai 1989 lebten noch 73 Menschen im Dorf. Drangsaliert wurden die Dorfbewohner auch von mächtigen Großgrundbesitzern der Region, sog. Akhas, die teilweise über ihre eigenen Milizen verfügten.

Die Kefnasî leben heute alle in Deutschland. Vereinzelte Rückkehrversuche älterer Kefnasî scheiterten zunächst an Übergriffen und Gewaltandrohungen seitens muslimischer Dorfbewohner der Region. Einige wenige Kefnasî aus Deutschland kehren aber in den Sommermonaten in das Dorf zurück und verbringen den Sommer dort.

1OVG Nordrhein-Westfalen · Urteil vom 22. Januar 2001 · Az. 8 A 792/96.A

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Dayê Şêrîn

Art. Nr. Autor Datum
268 Hayrî Demir 14.02.2016
Dayê Şêrîn

Dayê Şêrîn

Daye Scherin, kur. Dayê Şêrîn, war eine der ältesten Tempeldienerinnen des Zentralheiligtums Lalisch im Nordirak. Im Jahr 1924 wurde sie in Shingal geboren und gehörte dem Stamm der Hababa an. Sie schloss sich im Jahr 1954 dem Frauenorden der Feqra in Lalish an und diente über 62 Jahre lang als Tempeldienerin.

Daye Sherin galt als höchste Ordensschwester, weshalb man sie auch als Dayê Kebanî, dt. Mutter der Hüterinnen, bezeichnete. Im Alter von 92 starb Daye Scherin im Heiligtum Lalisch. Unter Anteilnahme hoher Würdenträger wurde sie im Heiligtum beigesetzt. Sie galt als eine der wichtigsten Persönlichkeiten der êzîdîschen Gemeinschaft. Zu ihren Aufgaben gehörten unter anderem die Herstellung der heiligen Çira-Lichter, die täglich im Heiligtum entzündet werden.

Die Würde der Dayê Kebanî ist mit einer großen Anerkennung innerhalb der êzîdîschen Gemeinschaft verbunden. Die Dayê Kebanî hat wie der Bavê Çawîş ihren Lebensmittelpunkt in Lalish und lebt als eine der wenigen Menschen durchgehend dort.

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Zîyaret – Wallfahrtsort

 

Art. Nr. Autor Datum
242 Hayrî Demir 07.02.2016

Als Zîyaret werden im êzîdîschen Kontext vor allem Wallfahrts- und Pilgerorte bezeichnet, die im Rahmen religiöser Zeremonien und Feste von Êzîden aufgesucht werden. Die Pilger werden daher auch als Zîyaretî oder Zîyaretiya bezeichnet. Versammeln sich die Pilger an einem Wallfahrtsort, etwa am zentralen Heiligtum Lalisch im Nordirak, spricht man von „zîyaretî bûn“ (dt. [Pilger die] sich versammeln). Die Zîyarets stellen neben ihrer herausragenden religiösen Bedeutung auch Orte der Zusammenkunft dar, an denen sich zahlreiche Êzîden aus verschiedensten Regionen zusammenfinden.

Zîyaret des êzîdîschen Heiligen Scheich Mend (ÊzîdîPress)

Zîyaret des êzîdîschen Heiligen Scheich Mend (ÊzîdîPress)

Zu den êzîdîschen Zîyaret gehören insbesondere dutzende Mausoleen heiliger Persönlichkeiten sowie den Erzengeln gewidmete Tempel. Zu den wichtigsten Zîyaret zählt neben dem êzîdîschen Zentralheiligum Lalisch die Pilgerstätte Scherfedîn in der Region Schingal.

Auch einzelne Teile einer Tempelanlage oder eines Mausoleums werden als Zîyaret bezeichnet. Im Innern des Heiligtum Lalisch etwa werden zum Fest der Versammlung fünf Zîyaret mit bunten Tüchern, sog. Perîs, geschmückt. Die Pilger öffnen und machen ihrerseits selbst kleine Knoten in die Tücher und wünschen sich währenddessen etwas.

Der Begriff Zîyaret wird in den heiligen Texten der êzîdîschen Religion (Qewls) mehrfach genannt.

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Majid Abdul Salam Al-Tamimi, Dr. Maj. Gen.

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Art. Nr. Autor Datum
267 Hayrî Demir 08.08.2015
Gen. Maj. Majid Abdul Salim Al-Tamimi

Gen. Maj. Majid Abdul Salim Al-Tamimi

Dr. Maj. Gen. Majid Abdul Salim Al-Tamimi (geb. 1960 in Basra, Irak; gest. 12. Aug. 2014 in Shingal) war ein irakischer Pilot und Generalmajor der irakischen Luftwaffe.

Leben

Er absolvierte die Militärakademie und promovierte anschließend in Internationalem Recht. Wegen seiner Weigerung an den Anfal-Operationen des Saddam-Regimes gegen die Kurden und den Unterdrückungswellen im Süden des Iraks als Pilot teilzunehmen, wurde Maj. Gen. Al-Tamimi aus dem Militär ausgeschlossen und für sechs Monate inhaftiert.

Nachdem die Baath-Diktatur im Jahr 2003 gestürzt wurde, war er maßgeblich an der Neuformierung der irakischen Luftwaffe beteiligt und war stellvertretender Oberbefehlshaber der Luftstreitkräfte. Al-Tamimi war zudem Leiter der militärischen Gegenoffensive der IQAF gegen die Terrormiliz IS.

Shingal-Krise
Maj. Gen. Al-Tamimi während einer Rettunsaktion im Shingal-Gebirge

Maj. Gen. Al-Tamimi während einer Rettunsaktion

Als der Bürgerkrieg im Irak im Jahr 2014 erneut mit dem Einfall der Terrormiliz „Islamischer Staat“ im Irak ausbricht, leitet Maj. Gen. Al-Tamimi die militärische Gegenoffensive der irakischen Luftwaffe gegen die Terroristen. Am 3. August 2014 fallen die IS-Terroristen schließlich auch über das Hauptsiedlungsgebiet der êzîdîschen Minderheit Shingal im Nordirak her.

Über Nacht stürmen die IS-Terroristen die Gemeinden und Dörfer der Êzîden, töten und verschleppen ersten UN-Angaben nach über 10.000 Êzîden. Über 400.000 Êzîden müssen flüchten. Zehntausende suchen im Shingal-Gebirge Schutz. Ohne Wasser und Nahrung harren die Menschen dort bei Temperaturen von über 40°C tagelang aus; viele Hunderte sterben an Dehydrierung, fehlender medizinischer Versorgung oder Hunger.

Gen. Maj. Al-Tamimi fliegt zusammen mit seiner Einheit über Tage hinweg Hilfsgüter in das Gebirge und evakuiert auf dem Rückflug dutzende Êzîden. Ihn begleiten immer wieder êzîdîsche Politiker und Aktivisten, so etwa Dr. Mirza Dinnayi oder die Abgeordnete Vian Dakhil. Aufnahmen vom 8. August zeigen Gen. Maj. Al-Tamimi während eine Rettungsaktion im Shingal-Gebirge.

Unfall und Tod

Am 12. August 2014 fliegt Al-Tamimi erneut Hilfsgüter zu den Menschen in das Shingal-Gebirge. Auch Aktivisten, Journalisten und Politiker begleiten ihn. Unter ihnen auch Alissa J. Rubin, New York Times Chefin in Paris, der Fotograf Moises Saman sowie Dr. Dinnayi und Vian Dakhil. Nachdem die Hilfsgüter abgeladen und dutzende Flüchtlinge in den überladenen Helikopter steigen, stürzt der Helikopter vom Typ Mi-17 wenige Sekunden nach dem Start ab. Der Helikopter kollidierte Augenzeugen zufolge mit einem Hang am Gebirge. Dutzende Passagiere, etwa 40, werden teilweise schwer verletzt. Al-Tamimi überlebt den Absturz als einziger nicht.

NYT-Chefin Rubin erklärte, dass Al-Tamimi von der ganzen Krise „sehr berührt war“ und versuchte „alle zu retten, vor allem die Kinder“. Ein zweiter Rettungshelikopter trifft am Unfallort ein und evakuiert die Verletzten.

Wenig später erklärte der Pressesprecher der irakischen Streitkräfte, Kasim Atta, dass ein technischer Defekt den Absturzes verursachte.

Beisetzung und Anerkennung 

Mit großen militärischen Ehren und der Anwesenheit des irakischen Verteidigungsministers sowie der Oberbefehlshaber der irakischen Streitkräfte wurde Maj. Gen. Al-Tamimi in Basra beigesetzt.

Beisetzung Maj. Gen. Majid Abdul Salam Al-Tamimi in Basra

Beisetzung Maj. Gen. Majid Abdul Salam Al-Tamimi in Basra

Die kurdische Regierung in Erbil hat Maj. Gen. Al-Tamimi auf Wunsch der Êzîden hin offiziell zum „Märtyrer Kurdistans“ erklärt. Ihm zu Ehren wurde im Sami Abdulrahman Märtyrer-Park in Erbil ein Denkmal errichtet. Das Denkmal zieren Abbildungen von Kuppeln êzîdîscher Heiligtümer.

Die Oberbefehlshaber der êzîdîschen Verteidigungskraft Shingals (HPŞ), Heydar Shesho und Dawid Cindî, besuchten Angehörige der Familie Al-Tamimi in Europa und bekundeten ihr Beileid. Maj. Gen. Al-Tamimi werde in der êzîdîschen Geschichte als Held verewigt werden, äußerten die Oberbefelshaber unter anderem.

Quellen

Stableford, Dylan: „Injured New York Times correspondent describes helicopter crash on Mt. Sinjar“, in: YahooNews. Stand: 8. August 2015; http://news.yahoo.com/nyt-helicopter-crash-sinjar-iraq-yazidis-173625511.html

Kedmey, Dan: „Helicopter Delivering Aid to Refugees Crashes in Sinjar Mountains“, in: Times. Stand: 8. August 2015;  http://time.com/3103881/helicopter-mt-sinjar-moises-saman-vian-dakhil/

Berwari, Hawar: „Atta confirms helicopter crash for technical defect in Sinjar“, in: IraqiNews. Stand: 8. August 2015;  http://www.iraqinews.com/iraq-war/atta-confirms-helicopter-crash-for-technical-defect-in-sinjar/