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Hussein Dumbeli

Art. Nr. Autor Datum
126 Diar Khalaf 03.09.2016

Hussein Dumbeli war ein êzîdisches Oberhaupt und lebte im 18./19. Jahrhundert. In einem Bericht über ihn wird er Hussein Dumbalan genannt und Dumbalan fälschlicherweise als der Name seines Vaters angegeben. Vielmehr ist „Dumbalan“ eine Verballhornung von Dumbeli/Dumbeliyan, der Name eines alten êzîdischen Stammes der in Schingal und Sheikhan verbreitet ist. Unter den Êzîden ist er daher als Hussein Dumbeli bekannt.

Als Oberhaupt von Schingal

Im frühen 19. Jahrhundert war Hussein Dumbeli das einflussreichste Oberhaupt von Schingal. Er kontrollierte die Wege der Karawanen, die nur mit seine Zustimmung und gegen eine Bezahlung passieren durften. Der muslimische Reisende Mirza Abu Talib Chan (1752 – 1806), der 1802 Schingal besuchte, schrieb: „Ihr [Êzîden in Schingal] Oberhaupt heißt Hussein, und hatte im Laufe dieses Jahres nur eine einzige Karavane geplündert, welche ihm seinen Tribut zu schicken unterlassen und die Wüste, ohne ihn zu benachrichtigen, zu passiren gesucht hatte.“ (Mohr und Zimmer 1812: S. 249).

Chan erwähnt weiter, dass die Êzîden anfingen auch in den benachbarten Gebieten Räubereien zu begehen. Ein Jahr später startete Ali Pascha, der Gouverneur von Bagdad einen großen Angriff auf Schingal und zerstörte mehrere Dörfer. 1809 kam es zu einem erneuten Angriff durch den neuen Gouverneur Suleiman Pascha. Trotz den Angriffen und Verlusten weigerte Hussein Dumbeli sich dem Gouverneur zu unterstellen. Er bezahlte den arabischen Stamm der Tay, die von den Osmanen ausgerüstet wurde um die Karawanen in Schingal vor den Êzîden zu schützen, jährlich eine hohe Summe um die Kontrolle über die Karawanenwege zu behalten und den Tay-Stamm vor den Ackerländern der Êzîden fernzuhalten. Der letzte Bericht über ihn stammt von 1818, wann er starb ist nicht bekannt.

Die Schlacht am Wadi Khanzir

Êzîdischen Überlieferungen zufolge soll bei Wadi Khanzir, einem Nebenfluss von Chabur, eine Schlacht zwischen Êzîden unter der Führung von Hussein Dumbeli und dem kurdischen Stamm Miran und ihren verbündeten arabischen Stämme stattgefunden haben.

Der êzîdische Gelehrte Mir Ismail Chol Beg (1888 – 1933) schilderte die Schlacht in seinem 1934 erschienen Buch: So soll sich der kurdische Stamm der Miran unter ihrem Oberhaupt Badir Agha gemeinsam mit Arabern aus Zakho, insgesamt ungefähr 2000, Schingal genährt haben und vor allem darauf abzielte, êzîdische Frauen zu verschleppen. Hussein Dumbeli rief die êzîdischen Oberhäupter zusammen und stellte eine etwa 2000 Mann starke Truppe auf. In der Nacht griffen die Êzîden ihr Lager an, die muslimischen Kämpfer konnten den Überraschungsangriff nicht standhalten und wurden vernichtend geschlagen. Sie ergriffen die Flucht und über eintausend von ihnen wurden getötet. Die Êzîden hatten keine großen Verluste. Während den Kämpfen wurde der Bruder von Hussein Dumbeli getötet (Bois 1945: S. 3).

Literaturverzeichnis

Bois, Th. [Thomas] (1945): Le Djebel Sindjar au début du XIXe siécle, in: Roja Nu, 56. Ausgabe, S. 3, Beirut.

Campanile, P. M. Giuseppe (1818): Storia della regione del Kurdistan e delle sette di religione ivi esistenti, Naples.

Lescot, Roger (1938): Enquête sur les Yezidis de Syrie et du Djebel Sindjar, Beirut.

Mohr und Zimmer (1812): Reise des Mirza Abu Taleb Khan durch Asien, Afrika und Europa in den Jahren 1799, 1800, 1801, 1802 und 1803: Nebst einer Widerlegung der Begriffe, welche man in Europa von der Freyheit der Asiatischen Weiber hat, Heidelberg.

Badir Kebanek

Art. Nr. Autor Datum
125 Diar Khalaf 01.09.2016

Badir Kebanek war ein êzîdisches Oberhaupt, das im 13./14. Jahrhundert lebte. Die einzige schriftliche Quelle über ihn ist das Werk „Masālik al-abṣār fī mamālik al-amṣār“ (1338) von dem arabischen Historiker Ibn Fadlallah al-Umari (1300 – 1349).

Leben

Badir Kebanek lebte im heutigen Sheikhan und war der Stammesführer eines großen Stammes, dessen Angehörige von Ibn Fadlallah als „gut bewaffnet und mutig“ beschrieben werden. Sein Vater hieß Kebanek. Er hatte eine Frau und mehrere Kinder. Die dortigen êzîdischen Stämme wurden von ihren Nachbarn mit dem Kollektivnamen Dasini bezeichnet, so auch von Ibn Fadlallah; der Name seines Stammes ist daher nicht bekannt, er wird aber als ein Zweig des einst großen êzîdischen Stammes der Bokhtis angegeben. Die Größe und Stärke des Stammes änderte sich, als Badir Kebanek beschloss, sich mit seiner Familie und seinem Stamm an einem schwer zugänglichen Ort zurückzuziehen. Der Stamm wurde unorganisiert, zersplitterte und teilte sich auf. In Mosul lebten 1000 männliche Stammesangehörige unter ihrem Oberhaupt Aladin Kurek. Etwa 500 weitere Männer in Akrê unter ihren Oberhäuptern Abu Ali und Musa Bahadin.

Quelle:

al-ʿUmarī, Ibn Faḍlallāh Shihāb al-Dīn: Masālik al-abṣār (1338), ins Französische übersetzt von Quatremère, Étienne Marc: Notice de l’ouvrage qui a pour titre: Mesalek alabsar fi memalek alamsar, in: Notices et extraits des manuscrits de la Bibliothèque impériale et autres bibliothèques, 1838, Band 13, Teil 1, S. 151 – 384.