post

Dayê Şêrîn

Art. Nr. Autor Datum
268 Hayrî Demir 14.02.2016
Dayê Şêrîn

Dayê Şêrîn

Daye Scherin, kur. Dayê Şêrîn, war eine der ältesten Tempeldienerinnen des Zentralheiligtums Lalisch im Nordirak. Im Jahr 1924 wurde sie in Shingal geboren und gehörte dem Stamm der Hababa an. Sie schloss sich im Jahr 1954 dem Frauenorden der Feqra in Lalish an und diente über 62 Jahre lang als Tempeldienerin.

Daye Sherin galt als höchste Ordensschwester, weshalb man sie auch als Dayê Kebanî, dt. Mutter der Hüterinnen, bezeichnete. Im Alter von 92 starb Daye Scherin im Heiligtum Lalisch. Unter Anteilnahme hoher Würdenträger wurde sie im Heiligtum beigesetzt. Sie galt als eine der wichtigsten Persönlichkeiten der êzîdîschen Gemeinschaft. Zu ihren Aufgaben gehörten unter anderem die Herstellung der heiligen Çira-Lichter, die täglich im Heiligtum entzündet werden.

Die Würde der Dayê Kebanî ist mit einer großen Anerkennung innerhalb der êzîdîschen Gemeinschaft verbunden. Die Dayê Kebanî hat wie der Bavê Çawîş ihren Lebensmittelpunkt in Lalish und lebt als eine der wenigen Menschen durchgehend dort.

post

Zîyaret – Wallfahrtsort

 

Art. Nr. Autor Datum
242 Hayrî Demir 07.02.2016

Als Zîyaret werden im êzîdîschen Kontext vor allem Wallfahrts- und Pilgerorte bezeichnet, die im Rahmen religiöser Zeremonien und Feste von Êzîden aufgesucht werden. Die Pilger werden daher auch als Zîyaretî oder Zîyaretiya bezeichnet. Versammeln sich die Pilger an einem Wallfahrtsort, etwa am zentralen Heiligtum Lalisch im Nordirak, spricht man von „zîyaretî bûn“ (dt. [Pilger die] sich versammeln). Die Zîyarets stellen neben ihrer herausragenden religiösen Bedeutung auch Orte der Zusammenkunft dar, an denen sich zahlreiche Êzîden aus verschiedensten Regionen zusammenfinden.

Zîyaret des êzîdîschen Heiligen Scheich Mend (ÊzîdîPress)

Zîyaret des êzîdîschen Heiligen Scheich Mend (ÊzîdîPress)

Zu den êzîdîschen Zîyaret gehören insbesondere dutzende Mausoleen heiliger Persönlichkeiten sowie den Erzengeln gewidmete Tempel. Zu den wichtigsten Zîyaret zählt neben dem êzîdîschen Zentralheiligum Lalisch die Pilgerstätte Scherfedîn in der Region Schingal.

Auch einzelne Teile einer Tempelanlage oder eines Mausoleums werden als Zîyaret bezeichnet. Im Innern des Heiligtum Lalisch etwa werden zum Fest der Versammlung fünf Zîyaret mit bunten Tüchern, sog. Perîs, geschmückt. Die Pilger öffnen und machen ihrerseits selbst kleine Knoten in die Tücher und wünschen sich währenddessen etwas.

Der Begriff Zîyaret wird in den heiligen Texten der êzîdîschen Religion (Qewls) mehrfach genannt.