Zargotina K´urda IIZargotina K´urda II

ZargotinaKurdaIIIm Jahr 1978 veröffentlichten die Brüder Ordîxan und Celîl ê Celîl aus Armenien ein umfangreiches, zweiteiliges Werk über „die Folklore der Kurden“ (kurd. Zargotina Kurda). Im zweiten Teil des Werkes haben die Brüder erstmals sakrale êzîdîsche Texte publiziert, da sie selbst einer êzîdîschen Familie entstammen. Ein Jahr darauf begannen auch andere êzîdîsche Intellektuelle damit, sakrale Texte schriftlich zu fixieren und zu publizieren. So etwa der Gelehrte Pîr Xidir ê Silêman und Dr. Xelîl Cindî Reşo aus dem Irak.

Erst Jahre später sollte das Werk der Celîl Brüder breite Aufmerksamkeit innerhalb dieser Religionswissenschaft bekommen. Beginnend ab Seite 5 sind im zweiten Teil des Werkes die êzîdîschen Texte publiziert. Dabei handelt es sich um folgende Texte:

  1. Qewlê Şêx Erebegî Intûzî
  2. Qewlê Şêxûbekir şaxa 1-4
  3. Dua mer birînê
  4. Qewlê mala bava
  5. Qewlê mizgînîyê
  6. Temedîya Şîxadî
  7. Qewlê Xafilê Bênasîn
  8. Qewlê Êzdîd
  9. Beyta Rebîyê
  10. Beyta Şêxşims
  11. Qewlê Husêyînî Helac
  12. Qewlê borê borê
  13. Qewlê Şêx u Aqûb
  14. Qewlê Îmanê
  15. Qewlê bera

Mit dem Werk haben die Celîl-Brüder erstmals eine Selbstöffnung der Êzîden nach außen begonnen, die sich aufgrund der Verfolgungen der Jahrhunderte zuvor gegen jegliche Forschungsuntersuchungen verschlossen. Sie ebnen damit den Weg für eine religions-wissenschaftliche Auseinandersetzung eben dieser Religion und leisteten so sowohl ihren Beitrag zum Erhalt sowie zur Pflege der êzîdîschen Religion und Historie.

Besonderer Dank gilt an dieser Stelle Ordîxan ê Celîl, der im Jahr 2007 verstorben ist.

Dîar Khalaf

Daten zum Buch:

Titel: „Zargotina K’urda“.

Autoren: Ordîxan ê Celîl und Celîl ê Celîl

Seitenl: 1031 (1. Teil: 503; 2. Teil: 528)

Veröffentlichung: Verlag Nauka, Moskau, 1978

Dur – Die Urperle

 

Art. Nummer Autor Datum Aktualisierung
77 Hayrî Demir 23.09.2013

DurName

Die Urperle, aus der nach êzîdîscher Vorstellung das gesamte materielle Sein hervorgegangen ist, wird in den sakral êzîdîschen Texten als „Dur“ bezeichnet[1]. Der Begriff „Dur“ ist ein iranischer Begriff und bedeutet sowohl im Kurdischen (Dur) als auch im Persischen und im Pashto (در) Perle.

Die êzîdîsche Mythologie der Bedeutung der Urperle „Dur“ spiegelt sich auch in der kurdischen Sprache wieder, wo der Begriff „Dur“ auch für „Urknall“ steht[2].

Entstehung

Die Urperle spielt besonders beim Schöpfungsmythos aber auch darüber hinaus eine maßgebliche Rolle. Zu Beginn des êzîdîschen Schöpfungsmythos herrschte das sog. „Enzel“-Stadium. Das Enzel-Stadium ist ein raum- und zeitloser Zustand, der als Sphäre hinter der profanen bzw. materiellen Welt gesehen werden kann[3]. In diesem Enzel-Stadium existierte zunächst nur Xweda, dt. Gott, der sich selbst erschaffen hat.

Aus sich selbst bzw. aus seinem Licht heraus, erschuf Xweda eine weiße Perle (kurd. Dur), in welcher sich Sein leuchtender Thron (kurd. Textê nûrî) befand.

[toggle_content title=“Qewlê Bê Elif, S. 6, R. 1„]
Padșê min bi xo efirandî dura beyzaye – Mein König erschuf aus sich die weiße Perle
[/toggle_content]

[toggle_content title=“Qewlê Șêxûbekir, S. 4, R. 1„]

Padşê min dur ji xwe çêkir – Mein König erschuf die Perle aus sich[/toggle_content] 

[toggle_content title=“Qewlê Bê Elif, S. 1, R. 2„]
Textê nûrî sedef – Der leuchtende Thron in der Perle[/toggle_content] 

Die Vorstellung das Leben bzw. das Sein sei aus einer Perle o.Ä. hervorgegangen, finden wir in den unterschiedlichsten Kulturen der Welt wieder. So auch im arischen Schöpfungsmythos, der in der Rigveda zu finden ist:

Von Dunkel war die ganze Welt bedeckt,
Ein Ozean ohne Licht, in Nacht verloren
Da ward, was in der Schale war versteckt
Das Eine durch der Glutpein Kraft geboren[4]

Mit der Perle war Xweda eins, sodass Er von ihr nicht zu unterscheiden war.

[toggle_content title=“Qewlê Bê Elif, S. 2, R. 1„]
Padșê min li navdayî mixfî bû – Mein Herr war verborgen/unkenntlich in ihr [der Perle}[/toggle_content] 

Xweda, der bisher in der Perle verborgen war und mit Ihr eine Einheit bildete, löste sich vom Inneren der Perle und bewegte sich in ihr umher.

[toggle_content title=“Dûa Bawerîyê, S. 3, R. 3„]
Bi wê bawiriyê xo ji nava durê cihêkir – Mit dem Glauben trennte Er [Gott] von der Perle

S. 4, R. 1
Pedşa li durê geriya – Mein König fuhr in der Perle umher[/toggle_content] 

Da füllte Wasser das Innere der Perle und ein sanfter, ruhiger Ozean entstand.

[toggle_content title=“Dûa Bawerîyê, S. 4, R 2, 3„]
Av jê weriya – Wasser floss aus ihr
Bu behr pengiya – Und wurde zu einem ruhigen Meer[/toggle_content] 

Wasser bzw. die Darstellung von Ozeanen, Meeren etc. symbolisieren in der êzîdîschen Lehre die tiefe, unendliche Weisheit und wird im Kurdischen wie in den heiligen Überlieferungen als „Behrê kûr“ (dt. tiefes Meer) bezeichnet. Auch die Darstellung bzw. die Vorstellung von einem vorzeitlichen Meer zu Schöpfungsbeginn finden wir in vielen Mythen der alten Völker wieder.

[toggle_content title=“Qewlê Padșayî, S. 31„]
Padşê min nûr e – Mein König ist das Licht
Ew ji me neyî dûr e – Er ist nicht weit von uns
Yî alime bi erd û ezman û behrêt kûr e – Er ist der Gelehrte auf der Erde, dem Himmel und im tiefen Meer[/toggle_content] 

Danach erschuf Xweda die Liebe aus sich selbst und die Perle, die Er bereits zuvor von sich loslöste, begann an Stabilität zu verlieren.

[toggle_content title=“Qewlê zebûnî meksûr, S. 6„]
Pedşê min ji durê bû – Als der Herr sich in er Perle befand
Hisnatek jê çêt bû – Sich ein Wunsch von Ihm entband
Şaxa mehebetê lê bû – Und so der Zweig der Liebe entstand[/toggle_content] 

Der Urknall

Erst als Xweda die Perle von sich trennte, weil er den Beginn der materiellen Welt in Gang setzen wollte, wurde die Perle schwach.

Die gebrechlich gewordene Perle färbte sich mit den Farben Weiß, Rot und Gelb als Zeichen des Lebens. Sie begann zu glänzen (strahlen), zerberstete in Abermillionen Teile und wurde endgültig von Xweda getrennt.

[toggle_content title=“Qewlê zebûnî meksûr, S. 9, 10, 11 (R. 1, 2)„]
Kire rikin û rikinî – Das Fundament [Liebe] wurde gelegt und etabliert
Dur ji heyibetê hinçinî – Aus Ehrfrucht explodierte die Perle
Taqet nema hilgirî – Sie verlor die Kraft geduldig zu sein

Taqet nema li ber bisebirî – Sie hatte keine Kraft mehr geduldig zu sein
Dur bi renga xemilî – Die Perle schmückte sich mit farben
Sor bû sipî bû sefirî – Sie wurde rot, weiß und gelb

Dur bi renga geş bû – Die Perle glänzte mit den Farben
Berî ne erd hebû, ne eziman hebû, ne erş hebû – Vorher gab es weder Erde, noch Himmel, noch den heiligen Thron[/toggle_content] 

Aus dem Staub der zerborstenen Perle und der Liebe als Fundament konnte nun die materielle Welt geschaffen werden und die nächste Stufe des Schöpfungsmythos begann.

Das materielle Sein

In einer êzîdîschen Legende heißt es, dass aus dem Staub der Perle die Planeten und Galaxien entstanden sind. Der Pilgerort der Engel, wo sie Xweda huldigen, ist der sog. „Weltenbaum (kurd. Dara Herherê)“ den der Schöpfer-Gott nach der Explosion der Perle erschaffen hat.

In der spirituellen Welt Enzel existierte ein unendliches Meer in dessen Zentrum [Weltenbaum] eine Perle, oft auch als Juwel bezeichnet, verborgen war. Die Erzengel versammelten sich am Weltenbaum und Xweda sprach etwas Unbekanntes zur Perle bzw. zum Juwel. Und er warf das Geheimnis Liebe inmitten der Perle, woraus er Sonne und Mond schuf, die die Augen Xwedas, also die sichtbaren Symbole Xwedas, sind.

Die/das Perle/Juwel zerbrach und wieder floss eine Unmenge an Wasser aus ihr. Es war das Meer der Erde, die zu diesem Zeitpunkt noch dunkel  war und weder Erde (Boden) noch Himmel existieren.  Das Meer war die weiße Quelle, die den Esiden heilig ist und als „Kanîya sipî“ bezeichnet wird. [5]

Neujahr und die Urperle

An die Urperle wird jedes Jahr zum Neujahrsfest der Êzîden, dem sog. „Çarșema sor“ (dt. Roter Mittwoch) in Form von gefärbten Eiern als Stilisierung der Urperle erinnert. Der Tag des Neujahrsfest, stets der 1. April nach êzîdîschem Kalender, ist zugleich Frühlingsbeginn. Die Farben der von neuem aufblühenden Natur stellen dabei den Neuanfang des Lebens dar, die gefärbten Eier als Perle Dur den Neubeginn.

Quellen

  1. Dr. Omerxalî, Xanna: Some reflections on concepts of time in Yezidism, in: From Daênâ to Din, Festschrift für: Prof. Dr. Kreyenbroek, hrsg. v. Christine Allison, Anke Joisten-Pruschke, Antje Vendtland, Wiesbaden 2009
  2. Demir, Hayrî: Der êzîdîsche Schöpfungsmythos. Teil I, in: Laliş-Dialog, Ausgabe 1 – 1/2013, S. 5f.
  3. Demir, Hayrî: Der esidische Schöpfungsmythos. Teil II, in: Laliş-Dialog, Ausgabe 2 – 2/2013, S. 6f.

[1] Demir, Hayrî: Der êzîdîsche Schöpfungsmythos. Teil I, in: Laliş-Dialog, Ausgabe 1 – 1/2013, S. 5f.

[2] Siehe z.B. Ferheng.org

[3] Dr. Omerxalî, Xanna: Some reflections on concepts of time in Yezidism, in: From Daênâ to Din, Festschrift für: Prof. Dr. Kreyenbroek, hrsg. v. Christine Allison, Anke Joisten-Pruschke, Antje Vendtland, Wiesbaden 2009, S. 334

[4] Demir; 2013, S. 5f.

[5] Demir, Hayrî: Der esidische Schöpfungsmythos. Teil II, in: Laliş-Dialog, Ausgabe 2 – 2/2013, S. 6f.

[:]

Die sieben Söhne der alten Dame

Art. Nummer Autor Datum Aktualisierung
263 Dîar Khalaf 15.09.2013

Geschichte und Überlieferungen

Êzîdîsche Überlieferungen zufolge lebten die sieben Söhne, deren Vater verstorben war, mit ihrer Mutter im 13. Jahrhundert zur Zeit von Sheikh Hasan b. Adi und stammten aus dem Gebiet des Heraqi-Stammes[1]. Der Stamm der Heraqis existiert heute noch und lebt im Nordirak, dessen Sheikhs die Sheikhe Shems und deren Pîrs die die Pira Fat Pîre sind[2]. Ob sie selbst dem Heraqi-Stamm angehörten ist nicht klar.

Für die Êzîden nehmen diese sieben Brüder und ihre Mutter einen besonderen Heldenstatus ein: als Sheikh Hasan, einer der bedeutendsten êzîdîschen Heiligen, von Badr al-Din Lu’lu‘, der Atabeg von Mosul, verfolgt wurde, fand er Zuflucht in dem Haus der alten Dame und ihrer sieben Söhne. Als Lu’lu’s Soldaten Sheikh Hasan abführen wollten, forderte die alte Dame ihre Söhne auf, Sheikh Hasan vor den Soldaten zu beschützen. Die Söhne zogen die Schwerter und kämpften gegen die Soldaten. In dem Gefecht sind die sieben Söhne gefallen[3]. Ihr Todesjahr müsste demnach das Jahr 1246 sein[4].

Die sieben Söhne in den êzîdîsch Texten

Für ihren Mut und ihre Tapferkeit werden die sieben Söhne der alten Dame in dem „Dua Mezin (dt. Das große Gebet)“, welches sehr bedeutende Heilige der Êzîden gewidmet ist, erwähnt. In dem Gebet heißt es:

Tû bideye xatira her heft kurêt pîrê – [Oh Herr] gib den sieben Söhne der alten Dame Wohlhaben.

Gedenkort im Heiligtum Lalish

Im Heiligtum Lalish ist den sieben Brüdern ein Ort mit sieben „Çîra (Docht-Lichter)“ gewidmet[5], die traditionell jeden Mittwoch und Freitag entzündet werden.

siebenSöhne

(Der Ehrenplatz der sieben Söhne der alten Dame im Heiligtum Lalish; Quelle: Pîr Dîma 2008)

Quellen

Edmonds, C.J.: „A pilgrimage to Lalish“, Royal Asiatic Society, 1967.

Kreyenbroek, Philip G. und Rashow, Khalil Jindy, „ God and Sheikh Adi Are Perfect: Sacred Poems and Religious Narratives from the Yezidi Tradition”, 2005, Wiesbaden.

Pîr Dîma; L. Îavasko; S. Grîgoriyêv: „Lalişa Nûranî – Peristgeha Êzidiyan“, 2008.

Sleiman, Pier Khider: “Izidians and the kurdish heritage” in der Zeitschrift „Lalish“, 26. Ausgabe, 2007, Duhok.


[1] Kreyenbroek und Rashow 2005, S. 124.

[2] Edmonds 1967, S. 81.

[3] Kreyenbroek und Rashow 2005, S. 116f;  Dîma, Îavasko und Grîgoriyêv 2008, S. 83.

[4] Sleiman 2007, S. 15; da im Jahre 1246 auch Sheikh Hasan von Lu’lu‘ ermordet wurde.

[5] Dîma, Îavasko und Grîgoriyêv 2008, S. 83.

Sitîya Zîn

 

Art. Nummer Autor Datum Aktualisierung
262 Dîar Khalaf 15.09.2013

Name

Der kurdische Begriff „Sit(î)“ wird als weiblicher Ehrentitel gebraucht und bedeutet in etwa „Dame“ bzw. „edle Frau“. Zîn ist ein kurdischer Frauenname.

Sitiya Zin bedeutet sinngemäß übersetzt „die edle Dame Zîn“.

Leben und Wirken

Sitiya Zin ist eine sehr bedeutende weibliche Heilige der Eziden. Über sie existieren wie oft bei Heiligen der Êzîden wenig schriftliche Überlieferungen.. Sie lebte im 12./13. Jahrhundert und war die Ehefrau des bedeutenden ezidischen Heiligen Êzdina Mîr, der vor der Ankunft Sheikh Adis ein Fürst der Eziden war. Seine zweite Frau war Sitiya Ereb[1]. Diese drei Persönlichkeiten sind die Stammeltern der heutigen Shemsanî-Sheikhs.

Sitiya Zîn war die Mutter von Sheikh Fekhre Adiyan (Sheikh Fekhredin/Şêx Fexredîn), einem der bekanntesten Heiligen, und von Sheikh Shems (Sheikh Shemsedin/kurd. Şêx Şemsedîn)[2]. In einer religiösen Überlieferung heißt es:

[toggle_content title=“Qesîda Şêşims û Melik Fexredîn“]

S. 1, 1-3:

Şemsedîne û Fexredîne

Her dû pisêt sitiya Zîne

Her dû xelefêt Şêx Êzdîne[/toggle_content]

[toggle_content title=“Das Qasid von Sheshims und Melik Fekhredin“] [3], Str. 1, V. 1-3:

Shemsedin und Fekhredin,

Beide sind die Söhne von  Sitiya Zin,

Beide sind die Nachkommen von Sheikh Ezdin (Ezdina Mir). [/toggle_content]
Sitiya Ereb war wiederum die Mutter von Sheikh Nasirdîn und Sheikh Sicadîn[4].

Nach Dr. Khalil Jindy Rashow, Bavî Azad und Kheri Bozanî war Sitiya Zîn die Tochter von Sheikh Adi II.[5], der Sohn von Sheikh Abu Barakat; Sheikh Abu Barakat war der Neffe von Sheikh Adi, einem der höchsten Heiligen der Êzîden.

Sitiya Zîn in den êzîdîschen Überlieferungen

Als Mutter zweier heiliger Persönlichkeiten, nimmt sie alleine aufgrund dieser Tatsache schon eine bedeutende Rolle ein. Weiterhin war sie, wie viele Frauen in der êzîdîschen Geschichte, ein wichtiger Teil der intellektuellen Elite der damaligen Zeit. Sie wird in dem „Qewlê Ferwarê (Die Hymne des Befehls)“ und „Qewlê Hesinê Celê (Die Hymne des Hesîn Celê)“ erwähnt.

Gedenkort im Lalish zu Ehren Sitiya Zîns

Im Heiligtum Lalish wird Ihr zu Ehren ein „Qendîl (dt. Lichter zu Ehren Heiliger)“ bzw. „Çira“ Sitiya Zin[6] gewidmet, das an einem bestimmten Ort im Heiligtum entzündet wird.

Quellen

Azad, Bavê: „Şêx Fexirê Adiyan“ in „Şêx Fexrê Adiyan: Fîlosof û xasê ola Êzdiyatiyê“, Dengê Êzîdiyan, Oldneburg, 2009, S. 288-293.

Baba Şêx, ido: „Şêx Fexir û berdewamiya rola wî li nav Êzdiyatiyê de“ in „Şêx Fexrê Adiyan: Fîlosof û xasê ola Êzdiyatiyê“, Dengê Êzîdiyan, Oldneburg, 2009, S. 164-175.

Bozanî, Xêrî: „Şêx Fexirê Adiyan: Jiyan û berhem“ in „Şêx Fexrê Adiyan: Fîlosof û xasê ola Êzdiyatiyê“, Dengê Êzîdiyan, Oldneburg, 2009, S. 180-203.

Cindi, Rêsan Hesen: „Berhemen Şêx Fexir û Şirovekirinek“ in „Şêx Fexrê Adiyan: Fîlosof û xasê ola Êzdiyatiyê“, Dengê Êzîdiyan, Oldenburg, 2009, S. 230-249.

Elo, Hacî: „Melik Fexreddînê Şemsanî“ in „Şêx Fexrê Adiyan: Fîlosof û xasê ola Êzdiyatiyê“, Dengê Êzîdiyan, Oldneburg, 2009, S. 250-252.

Hecî, Bedel Feqîr: „Bawerî û Mîtologiya Êzidîyan: Çendeha Têkist û Vekolîn“, Duhok, 2002.

Pîr Dîma; L. Îavasko; S. Grîgoriyêv: „Lalişa Nûranî – Peristgeha Êzidiyan“, Basko, 2008.

Sileman, Pîr Xidir: „Êzdî û çanda Kurdî“ in „Şêx Fexrê Adiyan: Fîlosof û xasê ola Êzdiyatiyê“, Dengê Êzîdiyan, Oldneburg, 2009, S. 78-84.

Silo, Se´îd: „Şîret û rasparde di qewlên Şêx Fexrê Adiyan de“ in „Şêx Fexrê Adiyan: Fîlosof û xasê ola Êzdiyatiyê“, Dengê Êzîdiyan, Oldneburg, 2009, S. 220-229.


[1] Vgl. Bozanî 2009, S. 185f; Elo 2009, S. 250.

[2] Vgl. Silêman 2009, S. 82; Ido Baba Şêx 2009, S. 166; Bozanî 2009, S. 185; Silo 2009, S. 221; Cindî 2009, S. 230.

[3] Entnommen von Hecî 2002, S. 157ff. Dieses Qasîd gehört zum „Beyta Şêx û Pîra (Das Beyt der Sheikhs und Pirs; Heci 2002, S. 153-198)“, welcher Hecî erstmals aus der Rezitation von dem bedeutenden Gelehrten Kochek Selman aufgeschrieben hat.

[4] Silêman 2009, S. 82; Bozani 2009, S. 186; Silo 2009, S. 221; Cindî 2009, S. 230.

[5] Bozanî 2009, S. 185; Azad 2009, S. 288.

[6] Pîr Dîma; L. Îavasko; S. Grîgoriyêv 2008, S. 202.

Pîr Kemal

 

Art. Nummer Autor Datum Aktualisierung
261 Dîar Khalaf 11.09.2013:

Pir Kamal (Pîr Kemal) ist eine heilige Persönlichkeit der Eziden und der Patron der Qewals, die die heiligen Texte rezitieren. Über Pîr Kemal existieren kaum historische Angaben. Einig Indizien deuten darauf hin, dass er wahrscheinlich zur Zeit des Heiligen Sheikh Adis, also im 12. Jahrhundert, gelebt haben könnte. Aufgrund mangelnder Quellen kann diese biographische Angabe jedoch nicht belegt werden.

Pîr Kamal in der ezidischen Mythologie

Besonders für die Qewals, die die heiligen Texte rezitieren, ist der Heilige Pîr Kemal bedeutsam. Pîr Kemal wird als „der Herr des Def“ bezeichnet. Das Def ist eines von zwei heiligen Instrumenten der Êzîden, das während einer Qewlrezitation gespielt wird. Bevor die Qewals beginnen das Def zu spielen, rufen sie dreimal „Ya Pîr Kemal! (dt. Oh, Pîr Kemal!)“. Auch nach Beendigung der Qewlrezitation wird derselbe Ausspruch gesprochen.  Ein heiliger Text ist dem Heiligen Pîr Kemal gewidmet:

[toggle_content title=“Qesîda Pîr Kemal“]1. Pîrekî qewîye
Lê cema di bûn welîye
Pîrî Kemal Xasê Şîxadîye

2. Hawa Pîrî Kemale
Xudanê defa şeş male
Sipartîye destê Qewale[/toggle_content]

[toggle_content title=“Das Qasid von Pir Kemal(1)“] 1. Er ist ein bedeutungsvoller Pir,
Die, die bei ihm waren, wurden zu Heiligen,
Pir Kamal ist ein heiliger Anhänger von Sheikh Adi.

2. Es ist das Charisma von Pir Kemal,
Der Herr der Defs von sechs Häusern,
Diese vertraute er den Händen der Qewals an.[/toggle_content]

Zu den Feierlichkeiten im Heiligtum Lalish, setzen sich die Qewals zum „Nîşangeha Pîrê Kemal (dt. Ehrenzeichen von Pir Kemal)“[2]. Er wird auch im „Dua Mezin (dt. Das große Gebet)“ erwähnt.

Quellen

[1] Feqîr Hecî, Bedel: „Bawerî û Mîtologiya Êzidîyan: Çendeha Têkist û Vekolîn“, Duhok, 2002, S. 188.

[2] Pîr Dîma; L. Îavasko; S. Grîgoriyêv: „Lalişa Nûranî – Peristgeha Êzidiyan“, Basko, 2008, S. 26.

post

„Heq ev ware!

Art. Nummer Autor Datum Aktualisierung
101 Hayrî Demir 10.09.2013

Lalish (6)„Heq ev ware“ (dt. „dies ist der rechte Ort“) ist ein bekannter Ausspruch aus den heiligen Texten der Êzîden, den sog. Qewls.

Der Ausspruch wird von Xweda, dt. Gott, getätigt, als dieser den ersten festen Ort der Erde bestimmt, die bis dahin nur aus Wasser bestand. Daher taucht der Ausspruch in den Darstellungen des êzîdîschen Schöpfungsmythos immer wieder auf.

Der besagte Ort ist der, wo das Heiligtum der Êzîden Lalish (kurd. Laliş) steht. Für die Êzîden gilt Lalish als der Nabel der Welt.

Qewlê zebûnî meksûr, S. 26
Padşa û her çar yare – der König und all seine vier Freunde
Li merkebê dibûn siware – Stiegen auf ein Schiff
Tê seyrîn çar kinare – Umfuhren die vier Himmelsrichtungen
Li Laliş sekinî, got: Heq ev ware! – In Lalish blieben sie stehen und sagten: Dies ist der rechte Ort!

Qewlê afirandina dinyaye, S. 16
Siltan Êzîd xweş rêbere – Siltan Êzîd ist ein guter Wegweiser
Laliş ko riknê beşere – Lalish ist der Nabel der Menschheit
Niha Êzîdî jê xebere – Die Êzîden sprechen nun davon