Derwêş Tajdîn

Art. Nummer Autor Datum
61  Hayrî Demir 10.03.2012

Derwêş Tajdîn (dt. Därwisch Tajdiin) gilt als einer der größten Philosophen der êzîdischen Religion mit Heiligenstatus. Er lebte zu Zeiten von Şêx Fexrê Adîyan im 12. Jahrhundert.

Dawidê bin Derman (Pîr)

Art. Nummer Autor Datum
55  Hayrî Demir 06.02.2012

Dawidê bin Derman (dt. David, Sohn von Derman) ist der Name einer bedeutenden Persönlichkeit der êzîdischen Religion mit Heiligenstatus (kurd.  Xas). Wie sein Namen bereits anmerkt, hieß sein Vater Derman.
Dawidê bin Derman lebte zu Zeiten des êzîdischen Heiligen Șîxadî (dt. Sheikhadi), demnach im 12. Jahrhundert.
Er gehörte zu Würdenträgergruppe der Pîre. Eine der vierzig Pîr-Gruppen ist ihm zu Ehren benannt, die Gruppe der Pîrê Pîr Dawid.
Pîr Dawid gilt als einer der Hauptverfasser der religiösen Texte, den sog. Qewls, der êzîdischen Religion, die sowohl philosophischen, als auch theologischen Charakter haben.
Zu Ehren Pîr Dawids existiert im Heiligtum Laliș (dt. Lalish) ein  sog. Nișangeh (dt. etwa „Zeichen-/Symbolort“, wo das „Fitîl“ (dt. Docht) Ihm zu Ehren entzündet wird.

Nîșangeha Pîr Dawid ber Kaniya Keçika (dt. Der Symbolort zu Ehren Pîr Dawid vor der „Quelle der Töchter/Mädchen“).

 

QUELLE

Pîr Dîma, „Lalişa Nûranî“, Yêkatêrînbûrg: Basko, 2008.— 216 rr., wêne, ISBN 978-5-91356-048-3


Pîr Şero

Art. Nummer Autor Datum
30  Hayrî Demir 26.08.2011

Pîr Şero wurde 1971 geboren. Seit 2001 besetzt er das Amt des Bavê Çawîş. Sein vollständiger Name lautet Bavê Çawîs Pîr Şero Pîr Ferman Pîrê

Mehmedê Reben.

Pîrê Mehmedê Reben ist eine von vierzig Pîr Gruppen.

Quelle

Pîr Dîma, „Lalişa Nûranî“, Lalişa Nûranî – Yêkatêrînbûrg: Basko, 2008.— 216 rr., wêne, ISBN 978-5-91356-048-3

Dawid ê Dawid

Art. Nummer Autor Datum
54 Hayrî Demir 19.09.2011

Dawid ê Dawid war Stammesführer des in Şingal ansässigen Stammes der Mihirxan. Über sein genaues Geburtsjahr ist nichts genaues bekannt. Da er während der êzîdischen Aufständen im damaligen britischen Mandat Mesopotamien und dem späteren Irak in den Jahren 1935 bis 1941 bereits Stammesführer war, ist davon auszugehen, dass er zu diesem Zeitpunkt bereits erwachsen war. Als Mesopotamien von den Briten 1932 de facto in die Unabhängigkeit entlassen wurde, waren die Araber in Bagdad unter Faisal I. wieder an der Macht. Die Versprechen der irakischen Regierung an die Êzîden nach Ende der britischen Kolonialzeit wurden nicht eingehalten, sodass die Lage der Êzîden sich zunehmen verschlechterte.

© Lescot

Als 1933 der Stammesführer der Şingalîs, Hamoyê Şerro, verstarb, wuchs die Angst in der êzîdischen Gemeinde. Hamoyê Şerro war eng mit den Briten verbündet, die den Êzîden einen gewissen Schutz boten. Im selben Jahr wurde der Aufstand der Assyrer 1933 blutig von Arabern und muslimischen Kurden niedergeschlagen. Für diese Niederschlagung sollten die Êzîden ebenfalls Truppen stellen, die sich jedoch geweigert hatten. So mussten sie die Rache der Araber und der muslimischen Kurden fürchten. All diese Entwicklungen im Jahre 1933 veranlassten Dawid ê Dawid dazu, von seinem Exil in Şêxan wieder nach Şingal zurückzukehren.

Am 20. Oktober 1933 kehrte er dann zu seinem Stamm zurück und übernahm die Führung. Die irakische Regierung verabschiedete 1934 das „Gesetz zur nationalen Verteidigung“, die die freiwillige Wehrpflicht in eine allgemeine Wehrpflicht umwandelte. Ratifiziert wurde es im Jahre 1935. So sollten bzw. mussten auch Êzîden in der irakischen Armee dienen. Wie bereits im Osmanischen Reich, lehnten die Êzîden diese Wehrpflicht ab. Alleine aus religiösen Gründen wäre es den Êzîden unzumutbar gewesen, in einer islamischen Armee zu dienen. Nicht einmal eine Fremdenlegion für die Briten wollten die Êzîden aufstellen. Êzîdische Stammesführer verhandelten deshalb mit der irakischen Regierung. Als die Aussetzung der Wehrpflicht für die Êzîden undenkbar war, schlugen sie Kompromisse vor, die ebenfalls abgelehnt wurden. Dawid ê Dawid beteiligte sich an diesen Verhandlungen nicht. Er betrachtete die Wehrpflicht von Anfang an, ja sogar die irakische Regierung, als illegitim. So bereitete er die Anhänger seines Stammes in den Ortschaften Zerwan, Aldina und Miharxan auf Gefechte mit der irakischen Armee vor, die die Wehrpflicht später zwangsweise vollstrecken wollten.

Als einige Êzîden zur Wehrpflicht eingezogen wurden, spitze sich die Lage zu. Die Stammesangehörigen von Dawid ê Dawid machten sich auf das Schlimmste gefasst. Gleichzeitig schickten Sie eine Delegation in das heutige Syrien, damals von den Franzosen verwaltet, um in Hassake die Unterstützung der Franzosen zu erbitten. Um die Lage zu beruhigen, entsendete die irakische Regierung Vertreter in die êzîdischen Ortschaften. Sie verhandelten mit Xwedêda, Sohn von Hamoyê Şerro und dem Emir Saîd Beg. Mîr Sadî Beg versuchte Dawid ê Dawid von seiner Haltung abzubringen, erfolglos. Raşo Qolo, der sich mit Dawid ê Dawid verbündet hatte, bereitete ebenfalls seinen Stamm auf Gefechte mit der irakischen Armee vor. 1935 wurde ein irakischer Offizier entsendet, der die Wehrpflicht endgültig durchsetzen sollte. Daraufhin begannen die Kämpfe.

Dawid ê Dawid und Reşo Qolo leisteten erbitterten Widerstand. Worauf die irakische Regierung eine Militäroffensive unter der Führung des Brigadegenerals Hussein Fauzi gegen die Êzîden beschloss. Die Auseinandersetzungen dauerten vom 1. bis zum 17. November 1935. Die Êzîden verfügten über gerade einmal 700 Kämpfern, während sie von der irakischen Regierung mit Armee, Polizei und Luftwaffe angegriffen wurden. Als die Kämpfe am 7. November ihren Höhepunkt erreichten, vielen auf der irakischen Seite alleine an diesem Tag 40 Soldaten. Ungeachtet dessen, das sich die Kämpfe in Ostşingal zutrugen, wurden von der irakischen Armee elf êzîdische Dörfer völlig zerstört. Diese Dörfer waren nicht in die Kämpfe involviert, sodass diese Militäroffensive als ein allgemeiner Vergeltungsschlag gegen die êzîdische Gemeinschaft gewertet werden muss. 200 Êzîden fielen der überlegenen irakischen Armee zum Opfer, 120 wurden verletzt. Am 14. November verhängte die irakische Regierung das Kriegsrecht über die Region Şingal. So wurde es Militär und Polizei erlaubt, die Verfolgung aller möglichen Aufständischen aufzunehmen und zu verhaften. In einem Monat wurden so 364 Êzîden festgenommen. 9 von ihnen wurden zum Tode, 69 zu lebenslang, 70 zu 20 Jahren und 162 zu 15 Jahren Haft verurteilt. 54 wurden zwangsumgesiedelt. Dawid ê Dawid flüchtete sodann mit seiner Familie nach Syrien, wo er in Qamişlo bei befreundeten Êzîden Zuflucht fand.

Die irakische Regierung forderte von den Franzosen, Dawid ê Dawid auszuliefern, dieser Forderung kamen die Franzosen allerdings nicht nach. Einige britische Politiker verurteilten die Aktion der irakischen Regierung, insbesondere die verhängten Todesurteile. Der damalige britische Botschafter, Archibald Clark Keer, sah religiöse Motive als Grund für die Todesurteile und verurteilte sie scharf. Die von ihm geforderte Generalamnesie für die die Êzîden wurde abgelehnt. Als die Êzîden nach der Niederschlagung ihres Aufstandes weitere Operationen der irakischen Armee befürchteten, versuchten sie nach Syrien zu fliehen. Diese Entwicklung veranlasste die britische Botschaft dazu, die irakische Regierung unter Druck zu setzen, um die Politik gegenüber den Êzîden zu ändern. Infolge dieser weiteren Intervention der Briten wurden einige Êzîden die sich in Gefangenschaft befanden freigelassen und 25 der 54 zwangsumgesiedelten Êzîden konnten wieder zurückkehren. Als 1936 Hikmat Suleyman irakischer Regierungschef wurde, erließ er eine allgemeine Amnestie für Êzîden. 200 weitere Êzîden wurden begnadigt. 1938 kam es wieder zu Zusammenstößen zwischen êzîdischen Aufständischen und der irakischen Armee. Die Briten verfolgten diese Geschehnisse mit großer Besorgnis. Sie sorgten sich um die allgemeinen Rechte der Minderheiten im Irak wie die der Christen usw. So intervenierten sie ein weiteres Mal und übten enormen Druck auf die irakische Regierung aus.

Die irakische Regierung reagierte und setzte die Zwangsrekrutierung der Êzîden aus. Nur sehr wenige Êzîden mussten gemäß dem Verhältnis ihrer Gemeinschaft an der Gesamtbevölkerung den Militärdienst ableisten. Wenige, weil es nicht selten zu einem Horrortrip wurde, unter Muslimen Militärdienst zu leisten. In dem folgenden Jahrzehnt gelang es den Briten, die Lage ein wenig zu beruhigen. Dawid ê Dawid gilt seitdem als Symbol des Widerstandes gegen die Unterdrückung und Tyrannei. Nicht nur für Êzîden, sondern für alle Minderheiten, die diskriminiert wurden.

Quelle

Adnan Zeyan Farhan, „Dawoud Dawoud und die Kämpfe gegen die Wehrpflicht“ in „Yezidische Helden – Mêrxasên Êzîdiyan“, S. 224 – 235, Dengê Êzîdiyan Oldenburg, ISBN: 978-3-9810751-4-5